Johannes Lerle

Christliche Schriften gegen den Zeitgeist

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Die Kirche als Antichrist

1. Gemeinde als Organismus

Wenn Luther gewöhnlich als Reformator bezeichnet wird, dann stellt sich die Frage: Wen oder was hat er reformiert? Die gängige Antwort ist: Die Kirche. Doch den Leib Christi kann man nicht reformieren. Folglich wird unter Kirche nicht die Gemeinde verstanden, deren Ausdruck im neutestamentlichen Griechisch „Ekklesia“ ist. Die deutsche Wiedergabe wäre „die Herausgerufenen“. Die Gemeinde ist nach biblischer Lehre der Leib Christi (Kol. 1,24; Röm. 12,5; 1. Kor. 12,27). Und der Leib Christi hat wie jeder menschliche Leib viele Glieder (1. Kor. 12,12-27), was die Glieder der Gemeinde sind. Im griechischen Urtext gibt es nur das Wort Ekklesia. Es steht auch dort, wo es in manchen Bibelübersetzungen mit „Kirche“ wiedergegeben wird. Die Gemeinde im biblischen Sinne ist ein Organismus, der viele Glieder hat, aber keine Organisation.

2. Das Papsttum

Doch in dem Maße, wie die Gemeinde verweltlichte und Gedankengut der heidnischen Umwelt aufnahm, bildete sich das Papsttum heraus. Im Römischen Reich war der Kaiser der Oberste in der Politik und auch in religiösen Angelegenheiten. Die heidnisch-religiöse Bedeutung der Stadt Rom nutzte der Bischof von Rom, um seinen Anspruch, der Oberste in der gesamten Christenheit zu sein, durchzusetzen. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde die Geschichte massiv gefälscht. Der Apostel Petrus wurde zum ersten Bischof von Rom gemacht. Für einen Aufenthalt Petri in Rom könnte in der Tat ein Gruß aus 1. Petr. 5,13 sprechen, in dem es heißt: „Es grüßt euch aus Babylon die Gemeinde, die mit euch auserwählt ist, und mein Sohn Markus“. Die Bezeichnung „Babylon“ für Rom war durchaus üblich. Es ist aber ebenso denkbar, daß Petrus tatsächlich in der Landschaft Babel war, wo viele Juden lebten. Denn nicht alle gingen nach der Babylonischen Gefangenschaft zurück, und die Apostel suchten verstärkt die jüdischen Gemeinden in aller Welt auf. Doch bemerkenswert ist, daß Paulus in seinem Brief an die Römer viele Brüder und Schwestern grüßt (Röm. 16,1-15), nicht aber Petrus. Wie ist es möglich, daß er den Petrus nicht einmal erwähnt, obwohl er doch angeblich Bischof von Rom und somit der erste Papst gewesen sein soll?

Daß Petrus Bischof von Rom gewesen sei, wird behauptet, um den Gläubigen weiszumachen, daß Christus selbst das Papsttum gestiftet hätte. Dabei beruft man sich auf eine Bibelstelle, deren Zusammenhang folgender ist: Nachdem Petrus von Jesus bekannt hatte: „Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!“, antwortete ihm Jesus unter anderem: „Ich sage dir, daß du bist Petrus (griechisch: petros), und auf diesen Felsen (griechisch: petra) werde ich meine Gemeinde bauen“ (Matth. 16,16-18). Die Gemeinde wird somit auf „petra“, den Felsen, jedoch nicht auf „petros“, den sündigen Menschen Namens Petrus, gebaut. Und der Felsen, auf den Christus seine Gemeinde bauen wird, ist das Bekenntnis des Petrus, daß Jesus der Christus (zu deutsch: der Gesalbte), der Sohn des lebendigen Gottes ist. Die römisch-katholische Auffassung ist in der Jugendzeitschrift Komm mit! folgendermaßen formuliert: „Jesus Christus hat seine Kirche nicht auf Sand, sondern auf einen Felsen gebaut, auf Petrus und auf seine Nachfolger“.1 Mit diesem Satz bezieht sich die römisch-katholische Jugendzeitschrift auf folgendes Jesuswort: „Wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein, denn es war auf Fels gegründet. Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein, und sein Fall war groß“ (Matth. 7,24-27). Also, wer die Rede Jesu tut, baut sein Haus auf einen Fels und nicht, wer die Rede Petri oder irgendeines Papstes tut. Außerdem heißt es in 1. Kor. 3,11 nicht: Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Petrus; sondern es heißt: ... „welcher ist Jesus Christus“.

Der Sünder Petrus, der wiederholt versagt hat, der Fels, auf dem die Gemeinde gegründet sei? Und was ist mit den Päpsten, die selbst von der röm.-kath. Kirchengeschichtsschreibung als unwürdig gewertet werden? Hat derjenige, der sein Haus auf diese Hurer und Mörder gebaut hatte, dasselbe wirklich auf einen Felsen gebaut oder doch nur auf Sand oder gar auf einen noch ungeeigneteren Untergrund, z. B. auf einen Sumpf?

Daß diese unumstritten unwürdigen Päpste schon Jahrhunderte tot sind, tut nichts zur Sache. Denn es geht um die unveränderliche Lehre des Gotteswortes. Es geht um die Lehrfrage, ob derjenige, der sich auf irgendwelche Mörder und Hurer gründet, sein Haus dann auf einen Felsen baut, wenn diese Lumpen Inhaber des Papstamtes sind. Papstknechte reden sich in der Weise heraus, daß ein Katholik sich nicht auf den konkreten Hurer oder Mörder gründe, sondern auf das Petrusamt. Doch wo ist da die biblische Begründung? Das Christuswort bezeichne doch angeblich den Menschen Petrus als den Felsen, auf den die Kirche gegründet sei. Und legt man die Auslegungsakrobatik von der Fortdauer des angeblichen Petrusamtes zugrunde, so sind es die Mörder und Hurer, die als angebliche Nachfolger des Sünders Petrus der Fels seien, auf dem Christus die Kirche gegründet hätte.

3. Antichristentum

Christus durch irgend etwas auszutauschen, das ist Antichristentum. Die griechische Vokabel „anti“ heißt: „anstelle von“. Und der Papst in Rom bezeichnet sich selbst als „Stellvertreter Christi“ oder – um es mit der Vorsilbe aus dem griechischen Neuen Testament auszudrücken – kann man sagen, daß der Papst sich selbst als Antichrist betrachtet. Im Neuen Testament ist nur an drei Stellen in den Johannesbriefen vom Antichristen die Rede. Wenn in 2. Thess. 2,3 vom „Menschen der Gesetzlosigkeit“ (in der Lutherübersetzung: „Mensch der Bosheit“) die Rede ist, so wird diese Stelle lediglich von den Auslegern auf den Antichristen bezogen. Die Bezeichnung selbst finden wir nur in den Johannesbriefen (1. Joh. 2,18.22; 1. Joh. 4,3; 2. Joh. 7).

Dort ist nicht von einer konkreten einzelnen Person die Rede, von der manche erwarten, daß sie sich in Jerusalem in den noch zu bauenden Tempel setzen werde, sondern von „vielen Antichristen“ und vom „Geist des Antichristen“. „Wer ist ein Lügner, wenn nicht der, der leugnet, daß Jesus der Christus ist? Das ist der Antichrist, der den Vater und den Sohn leugnet“ (1. Joh. 2,22). „Und ein jeder Geist, der Jesus nicht bekennt, der ist nicht von Gott. Und das ist der Geist des Antichrists, ...“ (1. Joh. 4,3). „Denn viele Verführer sind in die Welt ausgegangen, die nicht bekennen, daß Jesus Christus ins Fleisch gekommen ist. Das ist der Verführer und Antichrist“ (2. Joh. 7). Angeblich bekennt der Papst, daß Jesus der Christus ist, der ins Fleisch gekommen ist.

Jesus ist der bürgerliche Name unseres Erlösers. Christus ist griechisch und heißt: Der Gesalbte. Das entsprechende hebräische Wort ist: Messias. Wer Jesus als Christus bezeichnet, der bekennt damit, daß Jesus der von den Propheten verheißene Seligmacher ist, der gemäß alttestamentlicher Prophezeiungen inzwischen für unsere Sünden gestorben und auferstanden ist. Und diese Botschaft wird vom Papst dadurch verwässert, daß er behauptet, die römisch-katholische Kirche sei die alleinseligmachende Kirche. Wer ist nun unser Seligmacher? Jesus oder die katholische Kirche?

Nach biblischer Lehre ist Jesus König, Priester und Prophet. Doch der Papst maßt sich die Rolle des obersten Königs sowohl in der Welt als auch in der Christenheit an. Das sieht man, wenn er Staatsoberhäuptern begegnet. Im diplomatischen Verkehr empfängt der Ranghöhere den Rangniedrigeren. Ein Regierungschef geht nicht zum Botschafter, sondern bestellt den Botschafter ein. Als Papst Benedikt XVI. in Deutschland war, ging er nicht zur Bundeskanzlerin, sondern die Bundeskanzlerin kam zu ihm. So macht es der Papst überall, um die von ihm beanspruchte Rangordnung zu demonstrieren. Jesus, dessen Vertreter er zu sein vorgibt, ging jedenfalls zu den Zöllnern und Sündern, anstatt diese zu sich einzubestellen. Der Papst beansprucht auch, der Oberste in der Christenheit zu sein. Deshalb gibt es Schwierigkeiten bei der Ökumene. Denn er will nicht ein Kirchenführer neben anderen Kirchenführern, sondern deren Oberster sein.

Christus ist auch Priester, der auf Golgatha sein eigenes Blut geopfert hat. Der Papst und eine Kaste von ihm legitimierter geweihter „Priester“ wiederholt angeblich in der Meßfeier Jesu Opfer unblutig.

Jesus ist auch Prophet. Auch dieses Amt maßt sich der Papst durch seine bis zum Unfehlbarkeitsanspruch übersteigerte Lehrautorität an. Dabei sind die Päpste in Wirklichkeit ebenso fehlbar wie andere Menschen auch, selbst in Glaubensfragen. Es sei hier nur daran erinnert, daß auch Päpste die Lehre des Kopernikus verworfen haben. Kopernikus hatte behauptet, daß die Sonne sich nicht um die Erde bewegt. Seine Auffassung wurde zu seiner Zeit allgemein abgelehnt, auch von Luther und von vielen Lutheranern. Wenn auch Päpste in den allgemeinen Irrtümern ihrer Zeit befangen sind, wenn sie sich ebenso irren wie wir alle, was hat das päpstliche Lehramt dann überhaupt noch für einen Wert? Um den Betrug von der göttlichen Autorität des päpstlichen Lehramtes nicht zu beschädigen, wurde die Verwerfung der kopernikanischen Auffassung bis zur Zeit von Johannes Paul II. (1978-2005) aufrechterhalten. Erst dieser Papst erkannte Kopernikus an.

4. „Ich glaube an die Gaskammern“

Als ob die Päpste ihre Fehlbarkeit selbst in Glaubensfragen nicht schon durch das Desaster mit Kopernikus zwingend genug nachgewiesen hätten, erhob Benedikt XVI. die allgemeine Auffassung vom Völkermord mittels Gaskammern in den Rang einer Glaubenslehre. Das geschah allerdings nur auf indirektem Wege, und zwar dadurch, daß er den Weihbischof Williamson öffentlich aufforderte, seine Leugnung des Holocausts zu widerrufen.

In der Tat sind die Gaskammern eine Glaubensfrage, und zwar bei den Menschen, die sich selbst für „Juden“ halten, obwohl sie es wegen ihrer Verwerfung Jesu im biblischen Sinne nicht sind (Röm. 2,28f). Deren Auffassung ist, daß der leidende und sterbende Gottesknecht, von dem Jesaja schreibt, nicht Jesus Christus sei, sondern das "jüdische" Volk. Und die "Juden" wurden in der Geschichte ständig verfolgt, und ganz besonders in Auschwitz. In einer "jüdischen" Glaubensgemeinschaft wäre die Auffassung von Weihbischof Williamson gegen deren Glaubensgrundlage gerichtet, nämlich gegen die Lehre vom Leiden und Sterben des Gottesknechtes in den Gaskammern von Auschwitz. Indem der angebliche Nachfolger Petri und angebliche Stellvertreter Christi Weihbischof Williamson öffentlich zum Widerruf auffordert, gibt er zu erkennen, daß der Holocaust nicht nur eines von vielen Verbrechen in der Geschichte ist. Denn hätte Weihbischof Williamson den Völkermord an den Indianern, die Verbrechen an den Negersklaven, die Verbrechen der Sowjetarmee bei der „Befreiung“ Deutschlands oder ähnliches geleugnet, er wäre nicht vom Papst öffentlich zurechtgewiesen worden. Daß der Papst aber auf die Leugnung des Holocausts völlig anders reagiert hat, zeigt, daß dieser nicht nur für den angeblich „jüdischen“ Glauben zentral ist, sondern seit Benedikt XVI. auch zum Glaubensgut der Römisch-Katholischen Kirche gehört. Da drängt sich schon die Frage auf: Wo kommen Auschwitz und die Gaskammern in der Bibel vor, wo in der kirchlichen Tradition? Wie kann eine Kirche, in der alte Lehren verworfen werden, wie z. B. die Lehre von der Bewegung der Sonne um die Erde, und neue Lehren hinzukommen, wie z. B. die Lehre von den Gaskammermorden in Auschwitz, wie kann eine solche Organisation, deren Glaubensgrundlage in Bewegung ist, überhaupt eine „Säule und Grundfeste der Wahrheit“ sein?

5. „Säule und Grundfeste der Wahrheit“

Als „Säule und Grundfeste der Wahrheit“ wird in 1. Tim. 3,15 die „Gemeinde des lebendigen Gottes“ bezeichnet. In katholischen Bibelübersetzungen lesen wir von der „Kirche des lebendigen Gottes“. Und unter „Kirche“ wird die Organisation verstanden, die vom Papst angeführt wird. Augustin hat gesagt: „Sine ecclesia nulla salutis“. Die römisch-katholische Übersetzung ist: Außerhalb der Kirche gibt es kein Heil. Und die Kirche ist nach römischen Verständnis dort, wo der Papst ist. Das ist die Auffassung von der alleinseligmachenden Kirche. Doch nirgendwo im griechischen Urtext des Neuen Testaments kommt die Vokabel „Kirche“ vor. Dort lesen wir nur von Ekklesia, was heißt: die Herausgerufenen. Wir sollten dieses Wort mit „Gemeinde“ übersetzen. So gibt es die Ortsgemeinde z. B. in Jerusalem (Apg. 8,1) und viele Ortsgemeinden (Röm. 16,4). Es gibt die Gemeinde Gottes, die der Apostel Paulus in seiner Vergangenheit verfolgt hatte (1. Kor. 15,9; 1. Tim. 3,15)), die Gemeinde Gottes in Korinth (1. Kor. 1,2) und die Gemeinde als Leib Christi (Kol. 1,24; Röm. 12,5; 1. Kor. 12,27). Die Bibel kennt aber keine vom Papst (Der erste Papst war angeblich  Petrus) geleitete Organisation, die seligmachen könnte. Sondern Christus ist der einzige Seligmacher. „Es ist in keinem anderen Heil, auch ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden“ (Apg. 4,12).

6. Die Rebe direkt am Weinstock

Der einzelne Gläubige hängt direkt an Christus, wie die Rebe am Weinstock hängt (Joh. 15,1-8). Der Gläubige hängt nicht dadurch an Christus, daß er am Priester hängt und der am Bischof und der am Erzbischof und der am Papst, von dem behauptet wird, er würde an Christus hängen. Jesus sagt vielmehr: „Ihr sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn einer ist euer Meister; ihr aber seid alle Brüder. Ihr sollt niemanden unter euch Vater nennen auf Erden; denn einer ist euer Vater, der im Himmel ist. Und ihr sollt euch nicht Lehrer nennen lassen; denn einer ist euer Lehrer: Christus“ (Matth. 23,8-10). Jesus will somit auch nicht, daß wir einen sündigen Menschen „Heiligen Vater“ nennen. Denn so redete Jesus seinen himmlischen Vater an (Joh. 17,11). Niemand außer Christus soll unser Lehrer sein, auch der Papst nicht. Daß Päpste auch falsch lehren, zeigt das Hin und Her mit der Verwerfung des Kopernikus und mit der Aufhebung dieser Verwerfung. Außerdem erkannte Papst Johannes Paul II. Darwins Evolutionslehre an, wenn auch in einer für Pfaffen typischen synkretistischen Weise, der zufolge Gott mittels Evolution „geschaffen“ hätte.

Wir gehen wie die Israeliten bei der Wüstenwanderung durch die Wüste dieser Zeit dem himmlischen Kanaan entgegen (1. Kor. 10,1-13). Mit denen, die mit dem gleichen Ziel unterwegs sind, bilden wir eine Pilgergemeinschaft, auch Gemeinde genannt. Der einzelne Pilger blickt auf Christus, geht dem himmlischen Ziel entgegen. Findet er Mitpilger, ist es gut. Falls nicht, dann geht er notfalls allein. Aber er geht zu Christus ins himmlische Kanaan. Es darf nicht so sein, daß er sich einer Pilgergemeinschaft anschließt, die irgendwohin geht nach dem Motto: „Lieber falsch und gemeinsam als richtig und einsam“. Der Einzelne läßt sich von Christus leiten, und nicht von der Pilgergemeinschaft, noch von irgendeinem Reiseleiter. Denn es steht geschrieben: „Und ihr sollt euch nicht Lehrer nennen lassen; denn einer ist euer Lehrer: Christus“ (Matth. 23,10). Diesen Christus sollen wir anderen zeigen, so wie der Philippus dem Kämmerer Christus in der Schrift gezeigt hatte (Apg. 8,35). Dadurch wurde Philippus nicht zum Lehrer des Kämmerers, nicht er beanspruchte irgendeine Autorität für seine Person, sondern das Buch des Propheten Jesaja war der Lehrer. Nicht Philippus war die Lehrautorität des Kämmerers, sondern Philippus öffnete ihm lediglich die Schrift, so daß der inzwischen für dessen Sünden gestorbene und auferstandene Christus durch die von Pilippus geöffnete Schrift zum Kämmerer sprach. Der Kämmerer konnte nun selbst im Gotteswort lesen, was zu seinem Heil geschehen war.

Das ist wichtig, daß Christus unser einziger Führer ist. Denn Christus sagt: „Meine Schafe hören meine Stimme“ (Joh. 10,27). Wir sollen Jesu Stimme unterscheiden von der Stimme irgendwelcher Diebe und Räuber, die kommen um zu stehlen, zu schlachten und umzubringen (Joh. 10,10). Dazu bedarf es der Gabe der Geisterunterscheidung (1. Kor. 12,10). Wichtig ist, daß wir nicht dem Herdentrieb verfallen. Denn Jesus sagt von seinen Schafen: „und sie folgen mir“ (Joh. 10,27). Wir sollen also Jesus nachfolgen und nicht irgendwelchen anderen Schafen, die von sich lediglich behaupten, sie würden Jesus nachfolgen. Wer aber Jesus nicht kennt und deshalb dessen Stimme auch nicht von der Stimme irgendwelcher Diebe und Räuber unterscheiden kann, der läuft irgendwelchen Leithammeln nach, die wie z. B. der Papst in Rom oder irgendwelche Gemeindeleiter von sich lediglich behaupten, Jesus nachzufolgen, so daß alle, die diesen Leithammeln nachtrotten, ebenfalls Jesus nachfolgen würden.

Es wird lediglich behauptet, die Schafherde würde Jesus nachfolgen, Jesus sei der Hirte, vertreten durch seinen Stellvertreter Petrus und durch dessen angebliche Nachfolger, die Päpste. Es wird lediglich behauptet, die Bischöfe seien die Nachfolger der Apostel. Die Apostel haben Zeichen und Wunder getan. Die Bischöfe können das aber nicht. Dabei geht es nicht nur um die heutigen Bischöfe, sondern auch um die Bischöfe der Vergangenheit, die angeblich ebenfalls Nachfolger der Apostel gewesen seien. Können wir uns vorstellen, daß die damals am Himmelfahrtstage ausgesandten Apostel Ketzer umgebracht und Kriege angezettelt hätten, daß sie Blut vergossen hätten wie später viele Bischöfe, die angeblichen Nachfolger der Apostel?

7. „Wer aus der Wahrheit ist“

In einem Telefongespräch mit Günter Stiff, dem Herausgeber der katholischen Jugendzeitschrift Komm mit!, sagte ich, daß es die französischen Bischöfe waren, die bei der Verfolgung der Hugenotten die weltliche Obrigkeit zu den einzelnen Maßnahmen angestiftet hatten. Daraufhin legte Günter Stiff den Hörer auf. Tatsachen dann nicht zur Kenntnis zu nehmen, wenn sie das eigene Lehrgebäude gefährden könnten, ist typisch für sämtliche Ideologen. Schon die Pharisäer wollten die Auferstehung Jesu verheimlichen, indem sie die Jünger verleumdeten, sie hätten Jesu Leib gestohlen. Jesus sagt: „Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme“ (Joh. 18,37). Die Pharisäer, sämtliche Ideologen, Günter Stiff und viele andere sind nicht aus der Wahrheit und denken auch nicht in Wahrheitskategorien. Das hindert sie daran, ihre Irrtümer durch die Stimme Jesu korrigieren zu lassen. Das hindert sie daran, anhand der Stimme des Guten Hirten zu überprüfen, ob ihre Pilgergemeinschaft wirklich dem himmlischen Ziel entgegengeht. Denn wenn es stimmt, daß viele Bischöfe wahre Bluthunde sind, dann sollten Jesu Schafe daran zweifeln, ob sie überhaupt Nachfolger der Apostel sind. Denn Jesus sagt von seinen Schafen: „Einem Fremden folgen sie nicht nach, sondern fliehen von ihm; denn sie kennen die Stimme des Fremden nicht“ (Joh. 10,5). Ja, die Stimme von Krieg und Blutvergießen kennen Jesu Schafe nicht.

Doch wer Jesus nicht kennt, der klammert sich an irgendwelche Menschen oder an irgendwelche Organisationen. Je größer, je allumfassender eine Gruppe ist, um so weniger könne deren Weg falsch sein, meinen viele. Das Gefühl, zu einer großen, weltumfassenden Gemeinschaft zu gehören, wird auf Wallfahrten und bei Weltjugendtagen vermittelt. Doch Jesus spricht von den vielen auf dem Breiten Weg. Und vom Schmalen Weg sagt er nicht etwa: wenige sind’s, die ihn gehen; sondern er sagt: „wenige sind’s, die ihn finden“. Jesus spricht von der „ kleinen Herde“ (Luk. 12,32).

8. verweltlichte Bischöfe

Auch heute verhalten sich Bischöfe so, wie man es von Aposteln nicht für möglich halten sollte. Oder kann man sich den Apostel Paulus vorstellen als Träger des Ordens Wider den tierischen Ernst wie Kardinal Lehmann? Oder den Apostel Petrus als Träger des Karl-Valentin-Orden wie Kardinal Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI.? Derartige höchste Karnevalorden werden den „geistlichen“ Würdenträgern verliehen, damit die Gläubigen erkennen, daß sie von der „Schmach Christi“ (Apg. 5,41; Hebr. 11,26; Hebr. 13,13) verschont bleiben, wenn sie diesen „geistlichen“ Herren nachfolgen, daß sie nicht „Sektierer“ sind, daß sie nicht zu einer fundamentalistischen „Parallelgesellschaft“ gehören, sondern zur großen Masse, die auf dem Breiten Weg dem gemeinsamen Ziel entgegengeht. Die höchsten Karnevalsorden werden den angeblichen Nachfolgern der Apostel verliehen, damit sie medienwirksam durch ihr eigenes Vorbild die Gläubigen lehren, sich der Welt gleichzustellen (Röm. 12,2), damit das Gottesvolk ist „wie alle Völker“ (1. Sam. 8,20).

Die Apostel wurden verfolgt und starben den Märtyrertod. Die heutigen Bischöfe sterben gewöhnlich eines natürlichen Todes. Diese Eminenzen werden auch nicht verfolgt, sondern sind hoch geehrt. – Ich meine die Ehre bei den Menschen, nicht aber die Ehre bei Gott. – Denn die Feindschaft der Welt richtet sich nicht gegen de Kirche, sondern gegen Christus und gegen diejenigen, die Christus angehören. Für den Kampf gegen Christus braucht man die Kirche, denn sie hat Einfluß auf die Gläubigen. Als Papst Benedikt XVI. nach Deutschland kam, ließ er sich auf dem Flugplatz München vom damaligen bayrischen Ministerpräsident Stoiber begrüßen. Dadurch vermittelte er gegenüber den Gläubigen den Eindruck, dieser Schafspelzträger sei ebenfalls ein Schaf Jesu Christi. Dadurch half der aus Bayern stammende und folglich die bayrischen Mißstände kennende angebliche Nachfolger des Apostels Petrus mit, die Tatsache zu verbergen, daß Stoiber die politische Verantwortung für den vorsätzlichen Völkermord am Gottesvolk trug. Denn es ist allgemein bekannt, daß die Apostel gelehrt haben: “Weder die Unzüchtigen, noch die Götzendiener, noch die Ehebrecher, noch die Homosexuellen ... werden das Reich Gottes ererben“ (1. Kor. 6,9f). Wenn die Lehrpläne für das bayrische „Bildungs“wesen, für das Stoiber die politische Verantwortung trug, vorsahen und vorsehen, für Unzucht zu werben, so kann der einzige Zweck doch nur der sein, die Kinder und Jugendlichen von Christus zu trennen. Weshalb denn sonst müssen schon Bayerns Viertkläßler wissen, daß der Geschlechtsverkehr lustvoll sei?2 Weshalb denn sonst zeigt man den dritten bis sechsten Klassen Zeichentrickfiguren beim Geschlechtsverkehr?3 Wozu soll das Lehrermaterial „LIZA“ (Liebe in Zeiten von Aids), das am 17.11.2004 vom Bayrischen Kultusministerium verschickt wurde, denn sonst gut sein? Gemäß dieses Materials sollen die Lehrer in der Unterrichtseinheit „Das erste Mal“ den Schülern vermitteln, „daß man sich in jedem Fall darauf vorbereiten und eigene Wünsche berücksichtigen kann ... Oft dauert es etwas länger, bis man Sexualität wirklich genießen kann...“ Außerdem soll als „Lernziel“ die „Planbarkeit“ des ersten Geschlechtsverkehrs „vermittelt“ werden.4

Johannes der Täufer wurde einen Kopf kürzer gemacht, weil er gegen den Ehebruch gepredigt hatte. Doch den angeblichen Nachfolgern der Apostel kann so etwas nicht passieren. Denn sie sind die Freunde der Pornokraten wie Stoiber und anderer. Wie eine Hure es mit jedem treibt, so treiben es die angeblichen Nachfolger der Apostel schon die Jahrhunderte hindurch mit den Mächtigen dieser Welt. Da wäscht eine Hand die andere.  

9. Apostelamt erloschen

Jesus hatte seinen Aposteln in der Tat besondere Vollmachten gegeben. So sagte er dem Petrus: „Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein“ (Matth. 16,19). Das gleiche sagte Jesus auch zu den anderen Aposteln (Math. 18,18; Joh. 20,23). Aber es steht nirgendwo geschrieben, daß diese Vollmacht auf die heutigen Bischöfe weitergegeben worden sei.

Im Zusammenhang mit der Krankensalbung heißt es bei Jakobus: „Bekennt einander eure Sünden und betet füreinander, daß ihr gesund werdet“ (Jak. 5,16). Diejenigen, die in Liebe miteinander verbunden dem gemeinsamen himmlischen Ziel entgegengehen, stärken sich gegenseitig im Glauben. Dabei sprechen sie auch über ihre Sünden. Doch das ist noch kein Bußsakrament.

Jesus hat seine Botschaft den Aposteln übergeben, die sie dann im Neuen Testament niedergeschrieben haben. Die Schriften gehören zum Neuen Testament, die die Apostel als solche anerkannt haben. Damit bei der Niederschrift Jahre nach den Ereignissen keine Fehler unterlaufen, hatte Jesus den Aposteln den Heiligen Geist verheißen, der dann am Pfingsttag auf die Jünger fiel: „Der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe“ (Joh. 14,26). Dadurch, daß inzwischen alle Apostel gestorben sind, ist die apostolische Zeit endgültig vorbei. Die besonderen Vollmachten der Apostel sind somit erloschen.

Doch solche wäre auch heute notwendig, wenn die Gemeinde anstatt eines Organismus eine weltweite Organisation wäre. Doch nach apostolischer Lehre ist Christus das Haupt der Gemeinde (Eph. 1,22; Kol. 1,18). Mit diesem Haupt ist jedes einzelne Gotteskind ebenso verbunden, wie die Rebe mit dem Weinstock verbunden ist, und zwar direkt verbunden, ohne Zwischenglieder. Diese direkte Verbindung der einzelnen Rebe mit dem Weinstock macht eine weltweite irdische Organisation überflüssig. Die Blindheit für diese direkte Verbindung wirkt sich auf das Verständnis vom Soldatsein (Eph. 6,11-17; 2. Tim. 2,3f) des einzelnen Gläubigen aus. Wie jede weltliche Armee eine Offizierskette bis zum Feldherrn hat, so gäbe es in der Kirche Pfarrer, Bischöfe, Erzbischöfe und den Papst. Bei den weltlichen Armeen ist eine derartige Befehlskette unvermeidlich, da es völlig unmöglich ist, daß jeder einzelne Soldat jederzeit direkt mit seinem Feldherrn in Verbindung steht. Jesus sagt dem Pilatus: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“ (Joh. 18,36). Wem diese Wahrheit verborgen ist, wer das Reich Christi als innerweltliches Reich betrachtet, der meint, daß es durch die Herrschaft der Kirche aufgerichtet werde. Wie der römische Kaiser (der Idee nach) die gesamte politische Welt und alles religiöse Leben beherrscht, so regiere Christus, vertreten durch den Papst, durch die Kirche die Welt.

Wenn Menschen es sind, die das bauen, was sie für das Gottesreich halten, dann kommen sie in die Versuchung, dem Reich Gottes dadurch zu dienen, daß sie die Wege Gottes verlassen, dann heiligt der Zweck die Mittel. So war es schon bei den Pharisäern, die Jesus als Lügner (Joh. 8,55), Heuchler (Matth. 23,13) und Mörder (Matth. 22,7) bezeichnete. Die Hohenpriester wollten den auferwecktren Lazarus töten, weil durch ihn viele an Jesus glaubten (Joh. 12,9f). Sie logen, die Jünger hätten Jesu Leib gestohlen (Matth. 28,12f). Wenn Menschen die Wege Gottes verlassen, um mit fleischlich-politischen Mitteln das zu bauen, was sie für das Reich Gottes halten, dann werden sie ebenso zu Verbrechern, wie es die gottlosen Politiker zu allen Zeiten bis in unsere Gegenwart waren und sind. Das erklärt die breite Blutspur in der Kirchengeschichte. Zwar haben die „christlichen“ Schafspelzträger in 2000 Jahren weniger Blut vergossen als z. B. die Kommunisten in nur 70 Jahren; aber die Verbrechen der „Gottesmänner“ werden zu Recht an der Lehre und dem Leben Jesu gemessen, während man von den gottlosen Kommunisten und Nazis nichts anderes erwarten kann.

10. Die Reformation

Die völlige Verweltlichung der angeblichen Nachfolger der Apostel wirkte sich auch auf deren wirtschaftliche Aktivitäten aus. Wo es ein Monopol gibt, dort explodieren die Preise. Und der Papst hat nun einmal das Monopol, durch den Ablaß Menschen vorzeitig aus dem Fegefeuer herausholen zu können. Und dieses Monopol nutzte er schamlos aus. Den Ablaß gibt es übrigens noch heute. Das zeigt der Martin-Luther-Jubiläumsablaß, durch den Papst Johannes Paul II. im Jahre 1983, also dem Jahr des 500. Geburtstages Luthers, die alte Ablaßlehre in Erinnerung brachte. Allerdings hat Luther das Geschäft bis in unsere Gegenwart hinein so nachhaltig verdorben, daß der Ablaß heute nur noch als billige Ramschware zu vermarkten ist.

Doch damals löste der Mißbrauch des päpstlichen Monopols die Reformation aus. Durch seine 95 Thesen in lateinischer Sprache wollte Luther eine Gelehrtendisputation anregen. Doch die Gegenseite war an einer solchen überhaupt nicht interessiert. Denn ihr ging es nicht um das Seelenheil der Menschen, sondern um die Einnahmen aus dem Ablaßhandel. Es kam zur Reformation. Wie der Name schon sagt, ging es um die Reform der einen gemeinsamen katholischen Kirche; es ging um die Reform dieser weltweiten Organisation, die auch ein Faktor im politischen Ringen des Kaisers und der Fürsten um die Verteilung der Macht war. Wir können die damaligen Ereignisse nur verstehen, wenn wir die politischen Interessen erkennen, nach denen das Gotteswort zurechtgebogen worden war. Der Tausch von jenseitigem Erlaß der Fegefeuerstrafen gegen irdische harte Währung war gegen die wirtschaftlichen Interessen deutscher Fürsten. Folglich ist Luthers Verwerfung des Ablaßhandels richtig. Die Fürsten errangen immer größere Selbständigkeit gegenüber dem Kaiser. Dem entsprach der Zerfall der Weltkirche in einzelne Landeskirchen. Doch der Papst regierte durch die Landeskirchen in die Fürstentümer hinein. Folglich ist Luthers Lehre richtig, wonach das Papsttum zu Rom vom Teufel gestiftet ist.

Der Papst wollte die Einheit der Kirche dadurch erhalten, daß er die Reformation blutig verfolgte. Demgegenüber trat Luther für Glaubensfreiheit ein, für Glaubensfreiheit für Lutheraner. Mit der Glaubensfreiheit für Wiedertäufer war das bei Luther eine andere Sache. Deren Lehre wertete er nämlich als Gotteslästerung. Die Glaubensfreiheit gestand er auch ihnen angeblich zu, nicht aber das lehren und lästern. Die weltliche Obrigkeiten stiftete er an, das zu verhindern, notfalls unter Einbeziehung des Henkers.5 Bei den Streitigkeiten der Reformationszeit ging es um den gemeinsamen Glauben. Einig war man sich in der Ablehnung der Wiedertäufer und auch im Einsatz des Henkers zur Bekämpfung derselben. Noch nach Luthers (1483-1546) Tod ging es im Leipziger Interim um den gemeinsamen Glauben. Der Kaiser kämpfte im Schmalkaldischen Krieg (1546/47) gegen die protestantischen Fürsten. Die Auslöschung der Reformation schien bevorzustehen.  Da bot sich die Möglichkeit eines Friedens durch Übereinkunft in vermeintlichen Mitteldingen, auch Adiaphora genannt, an. Diese waren das Tragen bestimmter katholischer liturgischer Gewänder, verschiedene katholische Riten, Feier des Fronleichnamsfestes, ... . Das Interim war bei den Protestanen heftig umstritten. Die Gnesiolutheraner mit ihrem führenden Kopf Flacius sahen darin den Anfang einer schleichenden Unterwerfung unter den Papst. Die Befürworter mit ihrem führenden Kopf Melanchthon sahen darin die Chance zur Wiedererlangung kirchlicher Einheit. Denn sie gingen davon aus, daß das Interim für die Gesamtkirche gelte. Doch die Gegenseite dachte nicht daran, es auf die Gesamtkirche anzuwenden, sondern lediglich die Protestanten sollten sich in Richtung Rom bewegen. Die Illusion der Gruppe um Melanchthon zeigt, daß man damals noch meinte, es gäbe eine Kirche, daß man lediglich um den gemeinsamen Glauben ringe. Erst nach dem Interim gelangte es ins allgemeine Bewußtsein, daß es zwei Kirchen (ev. und kath.) oder drei Kirchen (luth., ref., kath.) gibt.

11. Kirchenverständnis nicht geändert

Doch wesentliches hat sich am Kirchenverständnis nicht geändert. Der einzelne Gläubige, die einzelne Rebe, hängt nach wie vor nicht direkt am Weinstock, sondern am Pfarrer und der am Bischof. Ob der Bischof am Papst oder aber am Landesfürsten hängt, macht aus der Sicht des einfachen Kirchgängers kaum einen Unterschied. Der einzelne Kirchgänger befindet sich mit seinem Pfarrer und den anderen Gemeindegliedern in einer Pilgergemeinschaft. Er geht dorthin, wohin alle gehen, angeblich ins himmlische Kanaan. Ob sich seine Pilgergemeinschaft auf dem richtigen Weg befindet, überprüft er nicht; denn er ist kein Außenseiter, sondern er geht mit den anderen und weicht von ihnen bestenfalls nur in begrenztem Maße ab. Denn „lieber falsch und gemeinsam als richtig und einsam“. „Ich glaube, was die Kirche glaubt“ – ist eine gängige Auffassung. Das bedeutet aber nicht unbedingt, daß man keine eigene abweichende Meinung hätte, doch alles in Maßen. Viele Katholiken halten den Papst für fehlbar, gehen aber nicht so weit, daß sie das Papsttum als solches ablehnen. Viele Protestanten beklagen den kirchlichen Verfall, gehen aber nicht so weit, daß sie in der kirchlichen Führung ein Pack von Verrätern der Sache Christi sehen würden. Im Bewußtsein der eigenen Unzulänglichkeit würde manchem schwindlig werden, sollte er der einzige sein, der eine bestimmte Auffassung vertreten würde. Als alle den Hitler bejubelten, wurde mancher Gläubige von der allgemeinen Hysterie daran gehindert, in ihm einen gemeingefährlichen Verbrecher zu sehen. Hitlers Nachfolger sind heute nicht weniger kriminell. Die über zehn Millionen im Mutterleib ermordeter Kinder lassen das „vermeintliche Unrecht“6 von Auschwitz gering erscheinen. Für den heutigen schulischen Pornodreck und schulische okkultistische Indoktrination findet man beim vielgeschmähten Diktator keine Entsprechung. Trotzdem würden es viele „Gläubige“ als ungehörig empfinden, Kohl, Merkel und Konsorten als gemeingefährliche Verbrecher zu werten, wie Hitler heute allgemein gewertet wird. Warum? Warum gilt nur Hitler als Verbrecher, nicht aber Kohl, Merkel und Konsorten? Weil viele „Gläubige“ nur begrenzt vom allgemeinen Zeitgeist, nur begrenzt von der Wertung der vielen, die auf dem Breiten Weg wandeln, abweichen. Weil sie als Rebe nicht in ausreichendem Maße mit dem Weinstock verbunden sind und daher nicht genügend vom Saft des Weinstocks durchströmt werden. Außerdem orientiert man sich an seinem Pfarrer. Denn der kenne sich in geistlichen Dingen aus, hat er hat ja Theologie studiert. Doch das bedeutet noch lange nicht, daß er auch die Bibel studiert hätte. Sondern er hat auf der Universität studiert und hat die Lehre der Universitätsprofessoren so aufgenommen, wie eine Tonbandkassette die Lehre dessen aufnimmt, der sie bespricht. Und die Obrigkeit bestimmt, wer Theologieprofessor wird, und sucht sich daher solche Personen aus, die das Gotteswort nach ihren Interessen zurechtbiegen.

Auch Luther war Universitätsprofessor. In weiten Teilen entspricht das, was damals in Wittenberg als politisch korrekt galt, der Bibellehre. Das trifft z. B. auf Luthers heftige Polemik gegen das Papsttum zu. Politisch korrekt war damals auch Luthers Hetze, die Obrigkeit solle die Wiedertäufer umbringen. Das entspricht zwar nicht der Bibellehre, doch ein Theologieprofessor hat schließlich lange genug studiert und besitzt somit die Fähigkeit, das Gotteswort in jede geforderte Richtung zurechtzubiegen. Die Obrigkeit hatte damals ein politisches Interesse an einer einheitlichen Landeskirche, der alle Untertanen angehören. Da niemand zwei Herren dienen kann (Matth. 6,24), maßte sich die weltliche Obrigkeit an, wie der Papst in Rom sowohl für weltliche als auch für geistliche Belange zuständig zu sein. Trotzdem würden die Untertanen nach wie vor nur Christus dienen, da die Obrigkeit von Christus eingesetzt ist. Die Wiedertäufer, die direkt auf Christus hörten, mußten unter solchen Umständen als Staatsfeinde erscheinen und wurden dementsprechend auch als solche verfolgt und umgebracht.

12. Luther als Papst

War die einzelne Rebe anstatt direkt mit Christus durch verschiedene Zwischenglieder mit dem Papst in Rom verbunden, so hatte die Reformation häufig nicht etwa die direkte Bindung an Christus zur Folge, sondern lediglich der Papst wurde ausgetauscht. Denn das Papsttum war in den Köpfen der Menschen derart verwurzelt, daß man einen neuen Papst brauchte. Zu einem solchen wurde Martin Luther schon zu seinen Lebzeiten. Wiederholt habe ich es in „lutherischen“ Kreisen erlebt, daß die bloße Behauptung „Luther hat gesagt“ an die Stelle eines Schriftbeweises tritt. Dabei beschränkt sich die Lutherkenntnis weitgehend auf die Darstellungen irgendwelcher Hagiographien, die die Entgleisungen des Reformators selbstverständlich verschweigen. Was bei den Katholiken die Bindung an Papst und Tradition ist, ist bei „Lutheranern“ die Bindung an Luther und an die „lutherische“ Tradition, z. B. an „die Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche“. In den Bekenntnisschriften wird die Lehre „allein die Schrift“ dadurch entfaltet, daß eine Vielzahl großer und kleiner Irrlehren verworfen wird.

In der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) und in konfessionellen Kreisen der Lutherischen Landeskirchen legt man Wert darauf, Lutheraner zu sein. Man hat klare theologische Positionen in solchen Lehraussagen, die als Schibbolets lutherischer Lehre gelten. Dazu verwirft man auch solche von den Lutherischen Bekenntnisschriften verworfene Irrlehren, die man mit einem Bild aus der Predigt Jesu (Matth. 23,24) mit Mücken vergleichen kann. Aber man hat kein Problem damit, die Kamele der Bibelkritik, der Evolutionslehre und des gottlosen Lebenswandels zu verschlucken.

In der SELK wird gelehrt: „Du sollst nicht ehebrechen“. Aber von der SELK wird z. B. durch die Zeitschriften Bild und Cope ebenfalls gelehrt, wie man herumhurt. Die gleichen schlechten Sachen werden der Jugend in der Zeitschrift Bravo beigebracht. Zwar befindet sich im Impressum dieser Pornoblätter kein Hinweis auf die SELK, doch dadurch hört dieser Dreck nicht auf, SELK-Verkündigung zu sein. Denn wenn SELK-Gemeindeglieder in persönlichen Gesprächen andere zu Christus rufen oder wenn sie andere z. B. durch die soeben genannten Pornoschriften von Christus hinwegführen, so ist das SELK-Verkündigung. Daß niemand beabsichtigt, die Pornokraten aus der SELK auszuschließen, zeigt, daß man unter „lutherisch“ nicht etwa die Bindung an Jesus Christus versteht, sondern eine kirchliche Tradition, mit der bestimmte z. B. in den Lutherischen Bekenntnisschriften aufgelistete reformierte und römisch-katholische Irrlehren unvereinbar sind. Doch die Anstiftung zur Hurerei, die Leugnung der Irrtumslosigkeit der Bibel, die Evolutionslehre und andere schlechte Sachen, die in den Lutherischen Bekenntnisschriften angeblich nicht verworfen werden, gelten aber als vereinbar mit „lutherischer“ Lehre.

Man ist „lutherisch“ im Sinne einer Abschreibtheologie. Das heißt, man übernimmt die Lehren der „Väter“ wie Luther und anderer „rechtgläubiger“ Theologen, so wie Katholiken die Lehren der Päpste und Konzilien übernehmen. Weshalb denn sonst muß jeder zukünftige Feld-, Wald-, und Wiesenpastor die lateinische Sprache erlernen? Kein Buch der Bibel ist in Latein geschrieben, nicht einmal der Römerbrief. Dafür sind viele Schriften der „rechtgläubigen“ „Väter“ in lateinischer Sprache, so daß Sprachkenntnis als notwendig erschien, um abschreiben zu können. Allerdings verliert das Lateinische dadurch an Bedeutung, daß die heutigen Abschreibtheologen auf frühere Abschreibtheologen zurückgreifen können, die die Lehre der „Väter“ in deutscher Sprache wiedergeben und die inzwischen selbst zu Autoritäten geworden sind, in deren Glanz die früheren lateinischsprachigen „lutherischen“ „Päpste“ verblassen.

Jesus warf den Pharisäern vor, daß sie das Gebot Gottes um der Satzungen der Ältesten willen übertraten (Matth. 15,3). Eine heutige „Satzung der Ältesten“ ist, daß niemand Pfarrer werden darf, der kein Latein kann. Dieser „Satzung der Ältesten“ wird ein Vorrang vor dem Gebot Gottes eingeräumt, wonach der Eifer für das Gotteswort die Voraussetzung ist, dieses verkündigen zu können, so daß es unter den Pastoren keine „stummen Hunde“ geben dürfte, “die nicht bellen können“ (Jes. 56,10).

Doch die Lateinkenntnisse sind nicht hilfreich, um Jesu Schafe vor den heutigen reißenden Wölfen zu warnen. Denn die „Väter“ konnten unmöglich auf die heutigen Teufelslehren eingehen. Und die Abschreibtheologen haben nicht gelernt, die Botschaft Christi im Blick auf die jeweils aktuellen Verführungen zu entfalten, sondern engen die Lehre Christi auf die Paragraphen „rechtgläubiger“ Dogmatikbücher ein. Die neuen Teufelslehren wie z. B. Nationalismus, Nationalsozialismus, Marxismus oder Demokratie ordnen sie dem politischen Bereich zu, mit dem sich die Verkündigung gemäß der „lutherischen“ Zweireichelehre nicht zu befassen habe. Dabei haben die „rechtgläubigen“ Trottel nicht gemerkt, daß im Nationalsozialismus Hitler sich die Rolle unseres Führers Jesus Christus angemaßt hat, daß im Marxismus die Arbeiterklasse die Rolle des Messias einnimmt, die gemäß 1. Mose 3,15 den Kopf der kapitalistischen Schlange zerschmettert, und daß Demokratie darauf hinausläuft, daß wir und besonders unsere Kinder die „Parallelgesellschaft“ derer, die auf dem Schmalen Weg dem himmlischen Ziel entgegengehen, verlassen und uns in die Gemeinschaft der Vielen „integrieren“, die auf dem Breiten Weg einem Ziel entgegengehen, vor dem Christus uns warnt. Bei den politischen Heilslehren handelt es sich in Wirklichkeit um religiöse Götzenbilder, vergleichbar mit den goldenen Kälbern, der Aschera, dem Baal und anderen, gegen die die Propheten Gottes gepredigt hatten. Doch diese naheliegenden Erkenntnisse können die Abschreibtheologen weder von Luther noch von den anderen „rechtgläubigen“ „Vätern“ übernehmen. Da sie aber nur abschreiben können, anstatt selbst die Geister zu unterscheiden (1. Kor. 12,10), bleibt ihnen das zutiefst antichristliche heidnisch-religiöse Wesen, das sich hinter einem politischen Erscheinungsbild verbirgt, verborgen. Statt dessen “verteidigen“ sie irgendwelche militärische Stellungen der „rechtgläubigen“ „Väter“, ohne zu merken, daß der Feind längst aus einer anderen Richtung angreift.

Das päpstliche Denken, das die Reformation überdauert hat, zeigt sich auch auf andere Weise, und zwar in der Rolle der Kirchenleitungen. Es wurde (und wird?) so getan, als ob diese irgendeine göttliche Autorität hätten, so als ob sie von Gott eingesetzt worden wären. Wenn behauptet wurde, daß der Gehorsam gegenüber denselben eine Forderung des vierten Gebotes sei, so ist diese Entgleisung ein weiteres Beispiel für die „Fähigkeit“ von Theologen, das Gotteswort in jegliche Richtung zurechtzubiegen. Die Bindung an Christus durch die Autorität von „Päpsten“ und Kirchenleitungen aufzuweichen, das ist Antichristentum.

13. Kirche als Mutter

Doch wer weder Christus noch einen Vater im Himmel kennt, der sieht in der Kirche seine Heimat, die er für seine Mutter hält. Eine Mutter bleibt auch dann eine Mutter, wenn sie eine Hure ist. So bleibe auch die Kirche trotz aller ihrer Hurerei mit dem jeweiligen Zeitgeist die Mutter. Die Schrift zeigt uns unseren himmlischen Vater. Doch daß die Kirche unsere Mutter sei, diese Lehre finden wir nirgendwo in der Bibel, sondern Menschen haben sie zum Gotteswort hinzugefügt. Wir können uns doch nicht von der Kirche trennen, denn auch Christus ging in die Synagoge „nach seiner Gewohnheit“ (Luk. 4,16), kann man gelegentlich hören. Und in der Tat ging er in den Tempel wie später auch die ersten Christen. Und von Kaiphas, der sagte: „Es ist besser für euch, ein Mensch sterbe für das Volk, als daß das ganze Volk verderbe“, heißt es: „Das sagte er aber nicht von sich aus, sondern weil er in dem Jahr Hoherpriester war, weissagte er. Denn Jesus sollte sterben für das Volk“ (Joh. 11,50f). Hiermit wird anerkannt, daß der Lump Kaiphas Hoherpriester war, also Inhaber eines Amtes, das von Gott gestiftet worden war.

Jesus spricht: „Auf dem Stuhl Moses sitzen die Schriftgelehrten und Pharisäer“ (Matth. 23,2). Dann spricht Christus von den Verfehlungen der Schriftgelehrten und Pharisäer. Irgendwie war der „Stuhl Moses“ von Gott gestiftet. Zumindest die Priesterschaft konnte sich auf eine göttliche Einsetzung berufen, was dadurch deutlich wird, daß Kaiphas von der Schrift als „Hohepriester“ bezeichnet wird. Das alles trifft aber für den angeblichen “Stuhl Petri“, für das angebliche Papstamt, nicht zu. Es wurde nicht von Gott gestiftet, sondern dessen antichristlicher Charakter verrät, daß es nicht einmal nur von Menschen, sondern sogar vom Teufel gestiftet worden ist.

Behaupten katholische Kirchenfürsten zu Unrecht eine göttliche Stiftung ihrer Ämter, so ist es bei den Protestanten besonders offensichtlich, daß deren kirchliche Organisationen irgendwann einmal begonnen haben und somit keineswegs auf die Apostel zurückgehen. Aber die Protestanten berufen sich darauf, daß die Kontinuität mit den Aposteln durch die Lehre der Apostel gegeben sei. Doch was ist, wenn sie von eben dieser Lehre der Apostel abgefallen sind? Warum sollten die wirklichen Jesusjünger solchen verweltlichten Vereinen oder solchen von Christus abgefallenen Körperschaften des öffentlichen Rechtes dann überhaupt noch angehören? Die Bindung an Christus macht dies nicht nur überflüssig, sondern geradezu unmöglich. Denn der Apostel Paulus schreibt den Römern: „Ich ermahne euch aber, liebe Brüder, daß ihr euch in acht nehmet vor denen, die Zwietracht und Ärgernis anrichten entgegen der Lehre, die ihr gelernt habt, und euch von ihnen abwendet“ (Röm. 16,17).

Gott hatte in der Tat die alttestamentliche Priesterschaft eingesetzt und bestimmte Gewänder für den gottesdienstlichen Gebrauch vorgeschrieben, durch die sich die Priester von den anderen Teilnehmern des alttestamentlichen Gottesdienstes unterschieden. Doch im Neuen Testament heißt es: „Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, ...“ (1. Petr. 2,9). Wir alle sind also Priester. Es gibt somit keine besondere Priesterkaste mehr, die vom Rest des Gottesvolkes unterschieden wäre.

Hätte das Gottesvolk eine Organisation, die seligmachen könnte, dann wären besondere Träger des Heils, also Priester, notwendig. Folgerichtig wurde von Menschen eine besondere „Priesterschaft“ eingerichtet, die durch das Tragen besonderer Kleidung, durch die menschliche Satzung der Ehelosigkeit und durch den Kelch, der den sogenannten „Laien“ vorenthalten wird, auch äußerlich zum Ausdruck bringt, daß sie sich vom Rest des Gottesvolkes, den sogenannten „Laien“, unterscheidet.

Dieses Kirchenverständnis mit seiner Unterscheidung des Klerus von den „Laien“ wird zwar im Protestantismus abgelehnt, wirkt aber in den Empfindungen der Gläubigen stark nach. So wird die Ordination, also die Einsetzung eines Pfarrers, als ein Sakrament der Priesterweihe empfunden, das die Voraussetzung wäre, das Abendmahl austeilen zu können. Für ein sakramentales Verständnis der „heiligen Ordination“ spricht auch die Tatsache, daß ein Pastor bei einem Stellenwechsel nicht erneut ordiniert wird, so wie jemand auch nicht erneut getauft wird, wenn er die Gemeinde wechselt. Das Tragen eines Talars suggeriert ebenfalls eine besondere Amtsvollmacht.

14. Staatskirchentum

Ein Monopol für die Verkündigung des Gotteswortes ist auch die Voraussetzung für das Staatskirchentum. Dadurch sollte sichergestellt werden, daß nicht nur innerkirchlich, sondern auch im gesamten Herrschaftsgebiet des jeweiligen Fürsten die christliche Botschaft nur in der Weise gepredigt wird, die dem Fürsten wohlgefällig ist. Nun hat Jesus nun mal gesagt: „Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur“ (Mark. 16,15). Weil aber Theologen das Gotteswort in jegliche Richtung drehen und wenden können, entwickelte Prof. Dr. Martin Luther eine Auslegungsakrobatik, durch die er trotz des allgemeinen Missionsbefehls den Wiedertäufern den Mund verbot. So schrieb er in seiner Auslegung des 82. Psalms, daß dies  ein Befehl Jesu für die Apostel sei, nicht aber für uns. Heute habe jeder Bischof und jeder Pfarrer seinen Bereich. Da die Wiedertäufer aber kein Pfarramt haben, sollen sie auch nicht predigen, weder öffentlich noch heimlich. Die Pflicht des Bürgers sei, derartige "winckel schleicher" bei der Obrigkeit und beim Pfarrer zu denunzieren.7 Eine derartige Aufforderung setzt voraus, daß Kirchengemeinde und politisches Gebiet als Einheit gesehen wurden. Das wird in einem Gutachten8 Melanchthons von 1536, dem Luther ausdrücklich zustimmte, deutlich. Auch die Täufer, die verschiedene als aufrührerisch empfundene Glaubensartikel nicht vertreten, machen sich aber, - so Melanchthon mit Luthers Zustimmung - eines "gotteslästerlichen" Artikels schuldig, nämlich, "daß sie das öffentlich ministerium verbi [Dienst am Wort, der Verf.] verdammen, und die Leut davon ziehen, und doch auch selb keine Kirchen haben".

Wieso haben die Wiedertäufer keine Kirche? Wieso verdammen sie die öffentliche Predigt des Gotteswortes? Eine derartige Beschuldigung setzt voraus, daß Melanchthon und Luther unter Kirche die von der Obrigkeit und vom theologischen Establishment autorisierte Organisation und unter öffentlicher Verkündigung des Gotteswortes ausschließlich die durch diese Organisation legitimierte Predigt verstehen.

15. „Sekte“

Diese Denkweise hat sich bis heute erhalten. Man unterscheidet zwischen Kirche und Sekte, wobei beide Begriffe höchst unterschiedlich gebraucht werden. Dem Sektenbegriff fehlt jegliche inhaltliche Präzision, und er dient ausschließlich dazu, andere zu diffamieren. Das ergibt sich auch daraus, daß keine Glaubensgemeinschaft sich selbst als Sekte bezeichnet. Sekte heißt „die Abgetrennten“. Dagegen sei Kirche die angeblich von Christus gegründete Organisation unter Leitung des Petrus und seiner angeblichen Nachfolger, der Päpste. Daher sind nach röm.-kath. Verständnis sämtliche protestantische Glaubensgemeinschaften Sekten. Diese beschimpften wiederum die kleineren Gruppen, die sich von ihnen abgespalten hatten, als Sekten. Inzwischen hat sich die Begrifflichkeit in der Weise geändert, daß die diffamierende Bezeichnung nicht auf die Gruppen angewendet wird, die den Breiten Weg der Ökumene mitgehen. Daß der Sektenbegriff keine theologische Aussage beinhaltet, sondern allein der gesellschaftlichen Ausgrenzung dient, wird auch daran erkennbar, daß er mitunter auch auf kleine lutherische Gruppen, die sich von den Landeskirchen getrennt halten, angewendet wird. Einer Kirche anzugehören, ist gesellschaftlich akzeptiert. Dagegen sind Sektenangehörige mit dem Odium behaftet, nicht auf dem gemeinsamen Breiten Weg, den die Vielen gehen, integriert zu sein.

Evangelische Kirche, Katholische Kirche und Sekte, das scheint in der Tat ein gängiges Denkmuster zu sein. Als der Kämpfer gegen den vorgeburtlichen Kindermord Dr. Siegfried Ernst und die Publizistin Christa Meves ihre evangelischen Landeskirchen wegen der Offenheit für den Kindermord und anderer Greuel verließen, schlossen sie sich der Katholischen Kirche an, als ob es keine anderen Glaubensgemeinschaften gäbe.

16. Bindung an die Pilgergemeinschaft

Wer Christus nicht kennt, der verwechselt den Leib Christi mit der kirchlichen Organisation, mit der Glaubensgemeinschaft, der er persönlich angehört. Er trägt Sorge um die Pilgergemeinschaft, der er angehört. Er bemüht sich, deren Kurs zu korrigieren, wenn dieser nicht auf das himmlische Ziel hin ausgerichtet ist. Läßt sich der Kurs aber nicht korrigieren, trennt er sich dennoch nicht von seiner Pilgergemeinschaft, so als ob sie von Gott gestiftet worden wäre. Das bedeutet, daß die Bindung an die Pilgergemeinschaft die Bindung an Christus zurücktreten läßt. Ich sprach mit einem engagierten landeskirchlichen Pastor, der die aus der ehemaligen Sowjetunion kommenden Rußlanddeutschen gesammelt hat. Ich bot ihm an, für ihn eine Predigt darüber zu schreiben, wen Jesus meint, wenn er uns vor den Wölfen im Schafspelz warnt. Für den Fall, daß er als Pastor wider Erwarten doch nicht gefeuert werden sollte, wenn er die von mir ausgearbeitete Predigt hält, für diesen unwahrscheinlichen Fall würde ich ihm dann eine weitere Predigt ähnlichen Inhaltes schreiben. Er lehnte ab, denn er hält sich an das faktische Verbot, bestimmte unliebsame Aussagen des Gotteswortes zu verkünden.

Als Pastor darf er das Gotteswort predigen, aber nicht das ganze Gotteswort, sondern nur soviel, wieviel toleriert wird. Die Pilgergemeinschaft wandert. Wohin sie wandert, wird wie bei einem politischen Kuhhandel ausgehandelt. Das himmlische Kanaan als Ziel der gemeinsamen Reise ist dabei lediglich ein Wunsch von vielen Wünschen. Der einzelne Gläubige wird sich auch weiterhin bemühen, die Bewegungsrichtung der Pilgergemeinschaft auf Christus hin zu lenken. Aber er verläßt die Pilgergemeinschaft nicht. „Wir können uns doch nicht von der Kirche trennen“ – ist häufig zu hören. So geht mancher mit der Kirche anstatt zu Christus. Das ist Antichristentum. Kirche anstelle von Christus.

Viele, auch viele Pastoren, bemühen sich, in und mit der Kirche das Evangelium den Menschen zu bringen. Sie bemühen sich, mit dem anvertrauten Pfund (Matth. 25,18) zu wuchern, ihre Möglichkeiten voll auszuschöpfen. Doch sie wissen auch, wie weit sie gehen dürfen, um die Kirche und ihre persönliche Tätigkeit in derselben nicht zu gefährden. Sie sind treue und eifrige Kirchendiener. Doch Kirchendiener mit Dienern Christi zu verwechseln, das ist Antichristentum.

17. Verfolgung vermeiden

Wenn sich Kirchendiener „klug“ verhalten, dann können sie die Verfolgung vermeiden, die Jesus seinen Nachfolgern vorhergesagt hat (Joh. 15,20). Schon Adolf Hitler sagte am 31. Jan. 1939: “In Deutschland ist niemand wegen seiner religiösen Einstellung bisher verfolgt worden, noch wird deshalb jemand verfolgt werden. ... Der nationalsozialistische Staat hat weder eine Kirche geschlossen, noch einen Gottesdienst verhindert, noch je einen Einfluß auf die Gestalt eines Gottesdienstes genommen. Er hat weder auf die Lehre noch auf das Bekenntnis irgendeiner Konfession eingewirkt. Im nationalsozialistischen Staat kann jeder nach seiner Fasson selig werden“.9 In gewisser Hinsicht scheinen diese schönen Worte in der Tat zu stimmen, sieht man einmal von der Verfolgung der Zeugen Jehovas und anderer Sekten ab. Weder hatte sich Hitler um die gottesdienstliche Liturgie noch um traditionelle innerkirchliche Lehrstreitigkeiten gekümmert. In diesen Bereichen herrschte in der Tat Glaubensfreiheit. Doch zur Lehre und zum Bekenntnis des christlichen Glaubens gehört wesentlich der Kampf gegen das jeweilige aktuelle Heidentum und die Warnung vor der Sünde. Weil sie in dieser Weise gepredigt hatten, wurden die alttestamentlichen Propheten getötet ( Matth. 23,37), deshalb wurden auch Johannes der Täufer und die Apostel hingerichtet, deshalb trachtete man Jesus nach dem Leben. Und der Nationalsozialismus war eine durch und durch antichristliche Heilslehre, in der sich ein sündiger Mensch an die Stelle von Jesus Christus setzte, der doch einzig und allein unser Führer sein darf, in dem allein unser Heil liegt.

Angesichts des eindeutigen Antichristentums war es Aufgabe der Prediger aufzuzeigen, daß derjenige Christus verliert, der Hitler nachfolgt. Dies tat der Dorfpfarrer Paul Schneider (1897-1939). Deshalb kam er wiederholt in Schutzhaft und im Oktober 1937 ins KZ Buchenwald, wo er am 18. Juli 1939 als Folge seines Martyriums „starb“. Wir hören viel von Pastor Dietrich Bonhoeffer, der während des Zweiten Weltkrieges für England Spionage getrieben hatte und deshalb hingerichtet wurde. Deshalb gilt er in der Siegergeschichtsschreibung als Heiliger. Die Siegergeschichtsschreibung hat aber an Paul Schneider kein Interesse. Denn er wurde bereits vor Kriegsausbruch gestorben. Somit kann er anders als Bonhoeffer unmöglich für eine Parteinahme für die Kriegsgegner mit dem Leben bezahlt haben. Er „starb“ vielmehr als Diener Christi, als Diener des Christus, der sowohl von Hitler als auch von dessen Kriegsgegnern mit leidenschaftlichem Haß gehaßt wurde und gehaßt wird. Sein Märtyrertod ist eine Anklage gegen all die Prediger, die die Nazizeit überlebt haben. Sein Tod ist aber auch eine Anklage gegen die heutigen Prediger, die entgegen der Vorhersage Jesu (Joh. 15,20) nicht verfolgt werden, weil sie „der Welt Freund“ (Jak. 4,4) sind. Diese Freundschaft der Welt erkennt man an den höchsten Karnevalsorden, mit denen kirchliche Würdenträger „geehrt“ werden, und auch daran, daß häufig dem jeweiligen Ortspfarrer der Bieranstich auf der Kirchweih übertragen wird.

Der Tod von Paul Schneider war vorhersehbar gewesen. Zumindest hatte seine Frau ihn vorhergesehen. Denn als die Familie einen Garten kaufte, wurde dieser aus genau diesem Grunde auf ihren Namen eingetragen. Hatte Pastor Schneider nicht vielleicht dadurch das anvertraute Pfund vergraben, daß er im Grabe liegt, anstatt auf der Kanzel zu stehen? Wäre Pastor Schneider Eigentümer des von ihm zu verkündenden Evangeliums, dann hätte er in der Tat erwägen können, ob es nicht vielleicht „klug“ wäre, Teile des Evangeliums aufzugeben, um wenigstens andere Teile zu retten. Da er jedoch weder Eigentümer war, noch die Vollmacht hatte, irgend etwas vom Gotteswort wegzulassen, blieb ihm dieser Weg menschlicher fälschlich sogenannter „Klugheit“ versperrt. 

18. Verwüstungen durch Staatskirchentum

Doch was wäre, wenn alle Prediger so handeln würden wie Paul Schneider, wer soll dann das Gotteswort verkünden? Als Folge der Verwüstungen, die das Staatskirchentum im Gemeindeleben angerichtet hat, scheinen derartige Sorgen in der Tat begründet zu sein. Der Apostel Paulus beschreibt das Leben in der Korinther Gemeinde folgendermaßen: „Wenn ihr zusammenkommt, so hat ein jeder einen Psalm, er hat eine Lehre, er hat eine Offenbarung, er hat eine Zungenrede, er hat eine Auslegung“ (1. Kor. 14,26). Daß es auch in unseren Gemeinden so zugeht, wurde in der Reformationszeit bewußt verhindert. Denn wenn jeder einen Psalm, jeder eine Lehre, jeder eine Auslegung hätte, dann ließe sich der Inhalt der Verkündigung in den einzelnen Gemeinden unmöglich von der Obrigkeit kontrollieren. Deshalb dürfen nur von der Obrigkeit lizensierte Personen das weitergeben, was ihnen während ihres Theologiestudiums von ebenfalls von der Obrigkeit lizensierten Professoren eingetrichtert worden war. Da braucht nur jemand – wie in Stalins Sowjetunion geschehen – die Pastoren erschießen und die Kirchgebäude zu Lagerhallen umfunktionieren, und das Gemeindeleben kommt zum Erliegen. Dort aber in der Sowjetunion, wo es eine Gemeinschaftsbewegung gab, in der einfache Gemeindeglieder das Wort Gottes verkündeten, dort bildeten sich die Gemeinden neu. Denn man kann nur einzelne Gläubige umbringen, nicht aber das Gotteswort, von dem andere Personen ergriffen werden, die dieses dann weitertragen.

Viel wirksamer ist es, wenn die Feinde Christi die Gläubigen anführen. Das geschieht dadurch, daß staatliche Einrichtungen Pastoren und Religionslehrer ausbilden. Und das wirkt sich mit entsprechender zeitlicher Verzögerung auch auf die Tätigkeit der Kirchenleitungen aus, die sich wie Komplizen der Feinde Jesu verhalten. Diese Kumpanei erinnert an eine Aussage des Propheten Jesaja über Israel: „Alle ihre Wächter sind blind, sie wissen alle nichts. Stumme Hunde sind sie, die nicht bellen können, sie liegen und jappen und schlafen gerne“ (Jes. 56,10). Wozu sind solche Hunde nötig, die nicht einmal bellen, wenn gräuliche Wölfe Jesu Schafe zerreißen? 

19. Verrat „lohnt“ sich

Wie sehr sich der Verrat der Sache Christi für die Verräter auszahlt, soll folgendes Beispiel aus Rumänien zeigen: Pastor Richard Wurmbrand, der 14 Jahre wegen seiner Jesusnachfolge in Rumänien inhaftiert war, hat in seinem Buch Gefoltert für Christus beschrieben, was Jesusnachfolge bedeutet. Andererseits war im kommunistischen Rumänien die Orthodoxe Kirche faktisch eine Staatskirche. Als deren Metropolit während des Studienjahres 1972/73 anläßlich einer Gastvorlesung in Halle (DDR) war, kaufte er viel ein. Auf die Frage, ob er denn so viel nach Rumänien mitnehmen dürfe, antwortete er: „Ein Metropolit wird nicht kontrolliert“. In seiner in deutscher Sprache gehaltenen Vorlesung erfuhr ich, daß Adam und Eva deshalb aus dem Paradies vertrieben worden waren, weil sie nicht arbeiten wollten. In der marxistischen Propaganda des Ostblocks nahm Arbeit die Stelle religiöser Betätigung ein, wenn im alltäglichen Leben die Kommunisten allerdings diese Art religiöser Betätigung nach Möglichkeit zu vermeiden suchten. Wenn sich die Ausführungen über Adam und Eva auch wie ein Beitrag für ein Witzbuch anhören, so lassen sie dennoch folgendes Anliegen sehr deutlich erkennen: Das Gotteswort nach der herrschenden Staatsideologie zurechtbiegen, um die Gläubigen zu einem gewünschten Verhalten (hier die Arbeit) zu motivieren. Das gleiche tun auch die Verräter in der westlichen Welt, wenn auch auf weit höherem intellektuellen Niveau und deshalb in weit gefährlicherer Weise.

Es sei hier nochmals wiederholt: Die Feindschaft der Welt richtet sich nicht gegen die Kirche, sondern gegen Christus und gegen diejenigen, die Christus angehören. Dagegen werden die beiden Großkirchen vom Staat hofiert. Der Staat zieht für sie die Kirchensteuer ein und bezuschußt sie aus vielen Steuertöpfen. Die Bischöfe werden vom Staat bezahlt, und das nicht zu knapp. Ihre hohen Gehälter ließen sich innerkirchlich nicht vermitteln. Aber wenn sie der Staat bezahlt, dann hat niemand etwas dagegen. Das alles riecht nach Korruption, wie sie in der Politik gang und gäbe ist. Die Großindustrie und die Banken „spenden“ an politische Parteien, und diese tanzen nach deren Pfeife, da sie befürchten, daß andernfalls weitere „Spenden“ ausbleiben könnten. Ebenso tanzen kirchliche Würdenträger nach der Pfeife antichristlicher Kräfte, die den Staat zur Beute genommen haben. Als „stumme Hunde, die nicht bellen können“, vernimmt man von ihnen weder Kritik an der antichristlichen Indoktrination der Kinder, noch Kritik am Pornounterricht. Wie eine Hure für ihre „Dienstleistungen“ bezahlt wird, so finanziert der Staat auch deren Kampf gegen einen christlichen Fundamentalismus, den Kampf gegen das Fundament Jesus Christus. Das geschieht dadurch, daß man die Kinder im Religionsunterricht dadurch gegen den christlichen Glauben immunisiert, daß man ihnen die Bibel so erklärt, als ob es Gott nicht gäbe, daß der biblische Glaube lediglich von Menschen entwickelt worden sei. So macht man ihnen z. B. weis, nicht die Auferstehung Jesu sei eine Tatsache, sondern lediglich der Glaube der ersten Christen an die Auferstehung. Dieser Glaube sei nur durch das leere Grab zu erklären. Wodurch es leer geworden ist, wüßten wir nicht. Die Frauen fanden das Grab leer vor und haben daraus geschlußfolgert, daß Jesus auferstanden sein müßte. Dann hätten sie die Jünger in dieser Weise beeinflußt. So sei der Auferstehungsglauben entstanden. Auf diese Weise werden die biblischen Glaubenswahrheiten von den Tatsachen abgetrennt und in eine Märchenlandschaft verlegt. Scheinbar bleiben die Glaubensinhalte erhalten. Aber die biblischen Berichte über Adam und Eva, über die Sintflut, über die Jungfrauengeburt, über Jesu Wunder und über seine Auferstehung erscheinen als ebensowenig tatsächlich wie Schneewittchen, Rumpelstielzchen und andere Märchenfiguren. Und so lernen die Kinder im Religionsunterricht: Das Christentum lehrt das, der Islam lehrt das und der Buddhismus lehrt das, so als ob die christliche Botschaft eine Menschenlehre neben anderen Menschenlehren wäre. Solch ein „Christentum“, dem der Führer Jesus Christus abhanden gekommen ist, macht die Gläubigen zur leichten Beute jeglicher Verführer.

20. Die Gläubigen anführen

Die Gläubigen anführen – mit dieser im Christentum leider erfolgreichen Strategie soll in Deutschland nun auch der Islam domestiziert werden. Wir sollten derartige Machenschaften auch deshalb beobachten, damit wir die Methode erkennen, mit der die schafspelztragenden Feinde Christi schon vor langer Zeit in Jesu Schafherde eingedrungen sind und deren Führung übernommen haben.

Aus Angst vor einem fundamentalistischen Islam, der in ausländischen Sprachen in Hinterhofmoscheen verbreitet wird, sollen nun an der Universität islamische Religionslehrer und Prediger ausgebildet werden, die den Moslems dann einen „Islam“ lehren, wie er dem deutschen Innenminister wohlgefällig ist. In einer Rundfunksendung hörte ich über einen islamischen Gelehrten, der unter Berufung auf die „historisch kritische Methode“, die er von den „christlichen“ Theologen gelernt habe, behauptete, nicht Mohamed hätte den Koran geschrieben. Für islamische Ohren ist das eine ungeheuerliche Ketzerei. Unter den Teilnehmern der Gesprächsrunde im Rundfunk herrschte Einmütigkeit, daß man nichts gegen dessen Meinung habe. Aber als Professor für eine islamische Fakultät sei er dennoch ungeeignet, da seine Auffassung von den Moslems nicht akzeptiert werde. Man will also die Moslems nicht verschrecken, sondern deren Kindern und Enkeln den „Islam“ lehren und dabei den Inhalt „islamischer“ Lehre nur allmählich in kleinen Schritten verändern und auf diese Weise die nächsten Generationen zu einem solchen „Islam“ führen, wie er für die heutigen Moslems völlig inakzeptabel, dafür aber dem deutschen Innenminister wohlgefällig ist. Im „Christentum“ hat diese Methode funktioniert; mit dem Islam soll Ähnliches geschehen. 

Daß diese Rechnung aufgeht, ist aus folgendem Grund unwahrscheinlich: Der Islam kommt nicht aus dem Römischen Reich und ist daher nicht mit der römischen Staatsideologie verschmolzen. Von daher haben die Moslems weder einen Papst, noch Strukturen, die mit den Kirchenleitungen in der „Christenheit“ vergleichbar sind. Somit fehlen die Strukturen, deren sich die Feinde des Islam lediglich zu bemächtigen brauchen, um die Moslems dorthin zu führen, wohin man sie haben will. Man mag sie im Sinne des deutschen Innenministers belehren, Terroranschläge und Ehrenmorde seien gegen den Islam, es sei gegen den Islam, diejenigen zu töten, die vom Islam abgefallen sind oder die den „Propheten“ Mohammed schmähen oder dessen Lehre verunglimpfen. Die Moslems mögen sich auch in diesem Sinne überzeugen lassen. Da sie aber kein mit dem Papst und den Bischöfen vergleichbares Lehramt haben, ist es wahrscheinlich, daß künftige Generationen sich anhand des Koran ein eigenes Urteil darüber bilden, ob das, was dem deutschen Innenminister mißfällt, wirklich gegen die Lehre des „Propheten“ ist.

In einem Punkt sollten wir uns am Fundamentalismus der Moslems ein Beispiel nehmen: Wir sollten uns weder vom Papst, noch von irgendwelchen Kirchenführern, noch vom Kultusminister, noch von irgendwelchen Lehrern, noch von der großen Masse, die auf dem Breiten Weg ins Verderben wandelt, noch von irgendwelchen anderen Scharlatanen führen lassen, sondern unser einziger Führer ist Jesus Christus, der sagt: „Meine Schafe hören meine Stimme“ (Joh. 10,27). Da Jesus Christus gleichzeitig auch unser Fundament (1. Kor. 3,11) ist, unterscheidet sich unser christlicher Fundamentalismus sehr wesentlich vom islamischen. Denn im Unterschied zu Mohammed, der viele Kriege geführt und viel Blut vergossen hat, ist Jesus ein Friedefürst (Jes. 9,5), der weder jemanden umgebracht hatte, noch andere zu Bluttaten aufgefordert hätte.

 

1Sonderheft über das Papstamt S. 11.

 2Dr. Hans-Dieter Göldner, Georg Hahn, Dr. Werner Schrom: Lehrplan für die Grundschule in Bayern. Texte/Kommentare/Handreichungen, München 2000, Abschnitt 71.45, S. 9. Auf wörtliche Wiedergabe wird hier verzichtet, da zum Zitieren zu schmutzig.

 3Der Film So kriegt man also Kinder.

 4FGM-INFORMATION (Herausgeber: Freundeskreis Maria Goretti e. V.) Nr. 89, August 2006, S. 8.

5Martin Luthers Werke. Kritische Gesamtausgabe, 31. Band, Erste Abteilung, Weimar 1913, S. 207-213 oder Dr. Martin Luthers Sämmtliche Schriften, 2. Auflage, herausg. von Georg Walch, 5. Band, St. Louis, Mo., USA 1880-1910, Nachdruck Groß Oesingen 1987, Sp. 717-724.

6„vermeintliches Unrecht“ ist der juristische Fachausdruck der Bundesverfassungsrichter Papier, Grimm und Hömig für vorsätzliche Menschentötungen (so gebraucht in einem Beschluß vom 6. Sept. 1999 mit dem Az. 1 BvR 1204/99).

7Martin Luthers Werke. Kritische Gesamtausgabe, 31. Band, Erste Abteilung, Weimar 1913, S. 210 oder Dr. Martin Luthers Sämmtliche Schriften, 2. Auflage, herausgegeben von Georg Walch, 5. Band, St. Louis, Mo., USA 1880-1910, Nachdruck Groß Oesingen 1987, Spalte 721.

8Philippi Melanthonis OPERA quae sunt omnia. In: Corpus Reformatorum IV, Halis Saxonum 1837, Spalte 737-740.

9Max Domarus [Hrsg.], Hitler. Reden und Proklamationen 1932-1945, Band II, Würzburg 1963, S. 1058-1060.