Johannes Lerle

Christliche Schriften gegen den Zeitgeist

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Der

Segen des Krieges

Eine Zeitbetrachtung

von

Ernst Modersohn, Pastor

Bad Blankenburg, Thüringerwald

Druck und Verlag:

Vereinsbuchhandlung G. Ihloff & Co., Neumünster i. H.   [1915]

 

 

Der Segen des Krieges.

 

Wie? Der Segen des Krieges? Kann man denn von einem Segen des Krieges reden? Hat denn nicht dieser Krieg so namenlos viel Jammer und Herzeleid über so viele Häuser und Herzen gebracht? Ströme von Blut sind da draußen auf den Schlachtfeldern geflossen, und Ströme von Tränen sind in der Heimat geweint worden und werden noch geweint von Frauen, die ihren Mann, von Müttern, die ihren Sohn verloren haben, vielleicht gar ihren einzigen. Wie viele Deutsche sind Kriegsgefangene im Auslande, wo der Ausbruch des Krieges sie überraschte! Wieviel Schweres haben sie da durchzumachen! Wie viele haben flüchtend ihre Heimat verlassen müssen, als der Feind herannahte! So viel Jammer und Not, viel Elend und Herzeleid die traurige Folge dieses Krieges. Wie kann man da von einem Segen des Krieges reden?

Ich denke doch, daß man das kann. Ich denke, daß wir sogar viel Grund und Ursache haben, von einem Segen des Krieges zu reden und Gott für diesen Segen zu danken.

Da ist zunächst die Einigkeit unseres Volkes.

Ich war am Dienstag derselben Woche, die mit der Mobilmachung schloß, in Berlin. Da waren in etwa zwölf Sälen große Versammlungen, in denen gegen den Krieg protestiert werden sollte. Nach dem Schluß dieser Versammlungen wollten die Tausende von Teilnehmern nach den „Linden“ ziehen und vors Schloß des Kaisers, um da eine große Demonstration zu machen. Die Polizei hatte Mühe und Not, den Strom abzulenken, daß er die Linden nicht erreichte.

Das war am Dienstag, den 28. Juli. Wer hätte an diesem Dienstag denken können, daß am nächsten Dienstag, am 4. August, ein einiges Deutschland dastehen würde? Daß der ganze Reichstag wie ein Mann aufstehen und in ein Hoch einstimmen würde auf Kaiser und Reich, auf Volk und Vaterland?

Das hätte wohl niemand zu denken gewagt. Das war etwas vom Segen des Krieges.

Was für eine Enttäuschung war das für unsere Feinde, die mit solcher Bestimmtheit darauf gerechnet hatten, daß die Mobilmachung in Deutschland das Signal zu einem Massenstreik der Sozialdemokratie sein würde, daß Deutschland draußen Krieg und drinnen Revolution haben würde.

Wie kam das nun so anders! Der Streit der Parteien hatte mit einem Male ein Ende. Die Meinungsverschiedenheiten verstummten. Auch die Sozialdemokraten entdeckten, daß sie Deutsche seien, und daß Deutschland eine Kultur habe, die man schützen müsse. Noch war’s nicht lange her, daß ein Abgeordneter im Reichstag seine Rede mit dem Rufe geschlossen hatte: „Vive la France!“ (Es lebe Frankreich!) Und nun durchbrauste das Hoch auf das deutsche Volk und Land denselben Saal.

Diese Einigkeit unseres Volkes, die der Krieg uns gebracht hat, und die uns im großen und ganzen erhalten geblieben ist, das ist ein bedeutsames Stück von dem Segen des Krieges. – –

Ein weiterer Segen des Krieges ist das Band der Liebe und des Vertrauens, das dieser Krieg um  unser Volk und unsern Kaiser geschlungen hat. Wie haben wir unsern Kaiser hochachten, verehren, lieben gelernt!

Fünfundzwanzig Jahre lang hat sich der Kaiser um diese Liebe seines Volkes bemüht. Er hat nicht allzuviel Dank und Anerkennung gefunden. Dem einen reiste er zuviel, dem anderen redete er zuviel. Der eine war hiermit nicht einverstanden, der andere damit nicht.

Das wurde erst anders in den letzten Julitagen des Jahres 1914. Da sah das ganze Volk, mit welcher Treue sich der Kaiser bemühte, seinem Volke den Frieden zu erhalten. Bis zum äußersten ging er in seinem Bestreben.

Als die tausendköpfige Menge vor das Schloß zog und ihm Huldigungen darbrachte in schwerer, ernster Stunde, da fühlte der Kaiser es zum ersten Male im Vollsinne des Wortes, was es heißt, „Liebling des Volks“ zu sein.

Markige Worte sprach er zu seinem Volke in jener Stunde von dem Balkon seines Schlosses. Aber als sich dann die Tür wieder hinter ihm geschlossen hatte, ob er da nicht ein Mensch war wie wir, der um gescheiterte Hoffnungen und zertrümmerte Ideale weint?

Wie furchtbar war es doch, was der Kaiser in diesen Tagen und Stunden erlebte. Was er in 25 Jahren erstrebt und gehofft hatte, seinem Volke und der Welt den Frieden zu erhalten, das brach zusammen. Er erkannte, die, welche er Freunde und Vettern genannt hatte, die ihm Liebe und Brüderlichkeit vorgetäuscht hatten, die hatten ihn hintergangen, die hatten seit Jahren schon das Netz gesponnen, in dem sie ihn fangen wollten! Was für ein Schmerz für das Herz des Kaisers! Er konnte und wollte es nicht glauben, daß sie solcher Niedrigkeit fähig wären. Er telegraphierte noch in letzter Stunde an den Zaren und legte ihm die ganze Verantwortlichkeit für Krieg und Frieden aufs Gewissen; er gab ihm noch zwölf Stunden Bedenkzeit, in der er die getroffenen Maßregeln rückgängig machen oder sich über seine Absichten offen erklären könne. Die zwölf Stunden verstrichen, und es kam keine Antwort. Und wieder wartete er, noch sieben lange Stunden, bis er sich endlich entschloß, das Wort „Mobil!“ auszusprechen.

Es mag sein, daß diese Stunden unseren Feinden einen Vorsprung vor uns gegeben haben – aber ich möchte diese Stunden nicht missen. Wie offenbarten gerade diese Stunden das ehrliche Bemühen unseres Kaisers, den Frieden zu bewahren! Das muß auch der verbissenste Sozialdemokrat erkennen: mehr wie der Kaiser konnte man sich nicht um die Erhaltung des Friedens mühen.

Warum zögerte er so lange, bis er den Krieg erklärte? Weil er voraussah, was für ungeheure Opfer dieser Krieg kosten würde an Gut und Blut. Es war sein landesväterliches Herz, das den Krieg, wenn es möglich wäre, zu vermeiden trachtete. Das zeigte sich nachher im Kriege zur Genüge.

Als die Schlacht bei Metz geschlagen war, fuhr der Kaiser über das Schlachtfeld. Da lagen die Leichen seiner tapferen Krieger noch umher. Da nahm der Kaiser den Helm ab, um die Tränen zu verbergen, die ihm aus den Augen schossen. Und dann hob er die Augen himmelwärts und sagte: „Vater, meine armen Kinder!“

Ja, wie ein Vater, so ist er zu seinen Soldaten. Wie ein Vater fährt er einem Verwundeten mit der Hand über den Kopf und sagt: „Gott wird auch dir helfen, mein lieber Junge!“

Da liegt ein Schwerverwundeter sterbend auf der Wahlstatt. Ist niemand da, der mit ihm beten kann? Der ihm helfen kann in der letzten Not? Niemand! Nein, einer ist da. Der Kaiser hört und sieht ihn. Er geht zu ihm hin. Er kniet bei ihm nieder auf offenem Felde und betet mit ihm. Und über dem Gebet des Kaisers schließt der Verwundete seine Augen und geht hinüber in die Ewigkeit.

Ein Sozialdemokrat aus dem Wuppertale schrieb nach Hause, eines Tages sei der Kaiser zu ihnen gekommen. Er habe sie aufgefordert, mit ihm niederzuknien und zu beten. Das war ihm und seinen gleichgesinnten Kameraden doch eine zu starke Zumutung. Sie blieben stehen. Aber der Kaiser kniete nieder und betete so herzlich, so väterlich für seine Soldaten, daß auch die Sozialdemokraten, die erst nicht mitknien wollten, auf die Knie fielen. Das Gebet des Kaisers hatte es ihnen angetan. „Und wenn ich nach Hause komme“, so schloß der Brief, „dann komme ich als ein anderer zurück.“

Ist das nicht ein Segen des Krieges, daß wir unsern Kaiser so kennen gelernt haben, daß wir so einen Blick in sein Herz getan haben?

Vor dem Schaufenster einer Kunsthandlung in Hamburg stand eine große Menschenmenge stumm und ergriffen. Alle schauten in das Schaufenster hinein. Da war ein Kaiserbild ausgestellt, das neueste Bild in der feldgrauen Uniform mit dem Eisernen Kreuz. Wie sah der Kaiser darauf aus! Man kannte ihn kaum wieder. Diese vortretenden Backenknochen, diese eingefallenen Backen, dieser graue Bart und vor allem – diese Augen! Sie sahen aus, als ob sie viel geweint hätten, und als ob ihnen auch jetzt das Weinen nahe wäre.

Wer diese Bild anschaut, ich meine, der konnte gar nicht anders, als ihn noch viel lieber haben und in seinem Herzen sagen: Gut und Blut und Leib und Leben für meinen Kaiser!

Wie wird er im Auslande geschmäht! In einem englischen Blatt war kürzlich zu lesen, er sei von Dämonen besessen. Er trage eigentlich nicht die ganze Schuld an diesem Kriege, hieß es dann entschuldigend, er sei nur das Pferd, auf dem die Dämonen ritten!

Pfui über solche englische Gemeinheit! Aber je mehr man ihn schmäht, um so lieber haben wir ihn, um so fester stehen wir für ihn ein. Wer unseren Kaiser schmäht, der schmäht uns!

Vertrauensvoll und zuversichtlich legen wir das Geschick unseres Volkes und Landes in seine Hand. Wir wissen, er ist ein Vater seines Volkes. Das hat uns dieser Krieg gezeigt. Und daß wir unseren Kaiser so kennen, so lieben und verehren gelernt haben, das ist auch ein Segen des Krieges! –

Und noch einen anderen Segen hat uns dieser Krieg gebracht. Was für eine Opferwilligkeit wurde mit einem Male in Deutschland offenbar! Jeder wollte geben, was er hatte.

Tausende und aber Tausende kamen und boten sich selbst an. Sie wollten ihr Blut und Leben geben fürs Vaterland. Die Zahl der Kriegsfreiwilligen des Jahres 1914 war größer als die Zahl sämtlicher Truppen, die wir im Jahre 1870 ins Feld stellten! Schüler machten ihr Notexamen, Studenten verließen den Hörsaal, Handwerker und Kaufleute, Beamte und Lehrer – aus allen Ständen und aus allen Kreisen kamen sie, Junge und Alte, bis zu Veteranen von 70/71, die um Einstellung ins Heer baten. Und wenn man sie zurückwies, weil die Zahl voll sei, dann gingen sie zu einem anderen Regiment, bis sie endlich eins gefunden, das sie nahm.

Wer hätte das gedacht, der vorher unser Volk beobachtet hatte? Man hatte gemeint, unser Volk sei keiner großen Begeisterung mehr fähig. Genußsucht und das Verlangen, sich auszuleben, hätte allen Sinn für höhere Dinge zerfressen. Und nun mit einem Male brauste wie ein Sturmwind die Begeisterung durchs Volk: „Zum Rhein, zum Rhein, zum deutschen Rhein, wir alle wollen Hüter sein!“

Es war eine Umwertung aller Werte, die in wenigen Tagen vor sich ging. Was einem bis dahin wertvoll erschienen war, wovon man sich unmöglich hätte trennen können, das gab man nun hin, und man hielt es gar nicht für ein Opfer, es hinzugeben.

Da war im Westen Deutschlands ein älteres Dienstmädchen. Das hatte beim Ausbruch des Krieges ein Gelübde getan, wenn Gott den Deutschen Sieg verleihe, dann wolle sie, was sie habe, dem Vaterlande opfern. Die glänzenden Ruhmestaten unseres Heeres, mit denen der Krieg begann, nahm sie als Erhörung ihrer Gebete, und so ging sie denn, dem Höchsten ihre Gelübde zu bezahlen. Sie machte sich mit ihrem Sparkassenbuch auf den Weg zum Ortsvorsteher. Als er in das Buch hineinsah, war er tief bewegt und bemühte sich, dem Mädchen seinen Entschluß auszureden, denn das Buch lautete auf die Summe von 2196 Mark. Er meinte, sie könne doch selber einmal in Not geraten; die Summe sei für ihre Verhältnisse doch viel zu hoch. Sie blieb aber fest und meinte, sie wohne bei so guten Leuten, die sie schon nicht in Not geraten lassen würden, wenn sie mal nicht mehr könne.

Auch der Oberbürgermeister, zu dem man ging, war der Ansicht, daß man die Spende des Mädchens nicht annehmen könne. Aber das Mädchen blieb fest. Sie gab die Ersparnisse ihres ganzen Lebens, ihren ganzen Besitz als Opfer fürs Vaterland.

Das ist nur ein Beispiel von vielen. Was für ein Strom von Liebesgaben geht ununterbrochen an die Front! Eisenbahnzug um Eisenbahnzug bringt die Liebesopfer der Heimat unseren Kriegern ins Feld hinaus. Sie beweisen, wenn unsre Feldgrauen da draußen durchhalten, wir in der Heimat wollen auch durchhalten mit unserer Liebe und mit unserer Opferwilligkeit.

Ist das nicht ein Segen des Krieges?

Und weiter: wie wurden wir doch durch diesen Krieg aus dem engen, kleinen Kreise unserer eignen Interessen, unserer Selbstsucht und Selbstliebe herausgebracht! Wer dachte jetzt an sich? Das eigne Ich mit seinen Hoffnungen und Wünschen, mit seinen Zielen und Absichten trat zurück hinter das Vaterland.

Eine Mutter schrieb in einem Briefe, daß drei ihrer Söhne eingetreten seien, und dann fuhr sie fort: „Wir hoffen, daß auch der vierte angenommen wird.“

Wie hatte diese Mutter gewiß in früheren Zeiten für ihre Söhne gebangt und gefürchtet! Und jetzt, wo es sich doch um Tod und Leben handelt, da hofft sie, daß auch der vierte angenommen würde. Er ist auch angenommen worden.

Im Kriegsministerium in Berlin erscheint eine ältere Dame, die Witwe eines Obersten. Sie möchte Auskunft haben über ihre drei Söhne, die im Felde stehen, alle drei als Offiziere, tapfer und tüchtig wie ihr Vater.

Eine kurze Pause. Dann kommt der Offizier und bringt die Antwort auf ihre Frage: „Verehrteste Frau, alle drei sind den Heldentod gestorben.“ Seine Lippen zucken, da er diese Kunde bringt. Seine Augen sind naß.

Und die alte Dame? Während ihr die Tränen über die Wangen rinnen, sagt sie – und ein stolzes Lächeln geht dabei über ihr Gesicht –: „Wenn das der Vater doch erlebt hätte!“ –

Hätte man nicht denken sollen, sie hätte gesagt: „Wie gut, daß das der Vater nicht mehr erlebt hat“? Aber nein, so sprach sie nicht. Sie dachte nicht an sich und ihren großen Verlust. Sie dachte an die Ehre, daß sie fürs Vaterland Opfer hatte bringen dürfen.

Wer hätte in Friedenszeiten solche Gesinnung für möglich gehalten? Wie lebte man da sich selber! Wie liebte man sich selber. Das eigene Ich ging über alles. Aber nun hat uns der Krieg aus diesem engen, kleinen Ich herausgehoben, hat uns Herz und Blick geweitet, daß uns wurde klein das Kleine und das Große groß erscheine – ist das nicht ein Segen des Krieges?

Wie ist doch dieser Krieg ein Prüfstein geworden für den Wert und den Unwert der Dinge! Wieviel Vereine gab es vor dem Kriege! Die Vereinsmeierei trieb ja oft wunderliche Blüten. Und nun mit einem Male – wo sind die vielen Vereine geblieben? Es waren fast nicht Abende genug in der Woche, um all diesen Vereinsinteressen dienen zu können. Sind sie von der Polizei verboten? O nein! Sie haben ihren Wert verloren. In einer solchen eisernen Zeit hat man keine Lust und keine Zeit mehr, einen ganzen Abend mit Kegeln oder mit Skatspielen und dergl. zuzubringen. Mit einem Male kamen diese Dinge den Vereinsbrüdern so nichtig vor, daß sie sich geschämt hätten, damit die Zeit totzuschlagen.

Der Krieg prüfte den Wert und den Unwert der Vereinsbestrebungen – und da wurde es offenbar, daß viele wertlos waren. Aber er prüfte auch das Christentum der Leute. Jetzt zeigte sich, wessen Christentum echt war und wessen unecht.

Wie mancher, der bis dahin sich für einen guten Christen gehalten hatte, sah jetzt, daß sein Christentum ihm keinen Halt und keine Kraft bot. Es sollte hinaus in den Kugelregen, hinaus in die Schlacht gehen, dem Tode vielleicht entgegen, da brach der bisherige Gewohnheitsglaube zusammen. Da merkte mancher: ich komme mit dem, was ich bisher hatte, nicht aus, ich muß mehr haben, ich brauche einen Glauben, der mir Halt gibt und Kraft, wenn’s in die Gefahr geht; ich brauche einen Glauben, der mich gefaßt und getrost macht, wenn’s zum Sterben geht.

Auch in der Heimat gab’s viele Zusammenbrüche. Manche Frau erkannte, daß ihr Christentum jetzt nicht reicht. O, was sind das für Lasten, die der Krieg unseren Frauen auferlegt! Mit Hurra gegen den Feind zu stürmen, das ist, scheint mir, leichter, als daheim zu bleiben in dieser quälenden Ungewißheit, was aus dem Geliebten da draußen geworden sein mag. Tag um Tag vergeht, und es kommt keine Nachricht von ihm, O, dies lange, bange Warten! O dies qualvolle Hoffen und Harren! Und wenn dann endlich eine Nachricht kommt, dann ist sie schon so viele Tage alt, daß man nicht weiß: aber wie mag’s ihm heute gehen? Wird er heute noch leben?

Wie greift dieses Warten an!

Und vollends, wenn dann Feldpostbriefe als unbestellbar zurückkommen und tragen auf der Rückseite nur das eine Wort „tot“ oder das andere „gefallen“! Was für eine Kraft ist dann erforderlich, um einen solchen Schlag auszuhalten, um dann nicht zusammenzubrechen!

Ach, wie viele sind schon zusammengebrochen! Wie viele haben inne werden müssen, daß ihr bisheriges Christentum ihnen keine Kraft und keine Stütze bot in solchem Leid!

Das Christentum der meisten Menschen, die noch Wert darauf legen, für Christen gehalten zu werden, hat nur einen Glaubensartikel: sie glauben, daß es einen Gott gibt. Aber dieser Glaube reicht nicht aus: in solchen Zeiten brauchen wir einen Heiland, einen persönlichen und lebendigen Heiland, der uns hält und trägt, der bei uns ist und mit uns geht auch durchs finstre Tal. Wohl dem, der mit dem Psalmisten sagen kann: „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück, denn Du bist bei mir, Dein Stecken und Stab trösten mich.“

Nur das Christentum hat Kraft und bringt Kraft, das eine lebendige Verbindung mit Jesus ist. Das macht dieser Krieg offenbar. Und das ist ein großer Segen dieses Krieges. Wie viele haben sich für Christen gehalten, die in Wirklichkeit gar keine waren. Denn ein Christ sein, das heißt: ein Nachfolger Christi sein. Und Christus hat in ihrem Leben bisher keine Rolle gespielt. Christus haben sie nicht nötig zu haben geglaubt – bisher. Das ist nun anders geworden. Nun haben viele erkannt, daß sie einen Heiland brauchen, der ihnen alle ihre Sünden vergibt und heilet alle ihre Gebrechen. Und aus manchen Herzen ringt sich in dieser Zeit das Bekenntnis los:

„ich fühl’s, Du bist’s, Dich muß ich haben;

ich fühl’s, ich muß für Dich nur sein!“

Dieser Segen des Krieges ist besonders im Felde zu spüren. Immer wieder hören wir aus Feldpostbriefen, was für ein Verlangen nach dem HErrn und nach Seinem Wort dort wach geworden ist. Wie viele, die früher nicht daran dachten, zur Kirche zu gehen, empfinden es jetzt schmerzlich, daß so wenig Gelegenheit ist, das Wort Gottes zu hören.

Aber sie wissen sich zu helfen. Wenn sie keine Feldprediger haben, die ihnen das Wort des Lebens verkündigen, dann berufen sie schlichte Soldaten dazu, die den HErrn kennen und lieben, daß die ihnen das Wort Gottes verkündigen.

Wie mancher Landwehr- und Landsturm-Mann hat schon Andachten und Gottesdienste zu halten gehabt vor der ganzen Kompagnie, ja, vor dem ganzen Bataillon und Regiment!

Ein Landwehrmann schrieb, daß er eines Morgens, nachdem er sein letztes Stück trockenes Brot gegessen habe, nach der Bibel griff, um auch ein Stück Lebensbrot für seine Seele zu genießen. Da rief ihm der Unteroffizier zu: „Halt, das gibt’s hier nicht!“ Einen Augenblick dachte er: „Was? Der wird mir doch nicht verbieten wollen, in meiner Bibel zu lesen!“ Aber dann fuhr der Unteroffizier fort: „Hier wird nicht leise gelesen – lesen Sie laut!“ Also, so war’s gemeint. Und nun sammelte sich die ganze Mannschaft um ihn, und er las ihnen aus der Bibel vor und betete mit ihnen.

Ein anderer berichtete, daß er ein paar Tage hinter der Front war. Da ging er auch in ein Feldlazarett, um die verwundeten Kameraden zu besuchen. Seine Traktate waren schnell verteilt. Sie baten aber um mehr, sie wollten gern das Wort Gottes selber haben. Da blieb ihm nichts anderes übrig: er nahm seine Bibel und zerschnitt sie, um jedem ein Stück zu geben!

Gott sei Dank für dieses Verlangen nach dem Worte Gottes, für diesen Hunger nach dem Brote des Lebens! Das ist ein Segen des Krieges.

So schwer diese Heimsuchung ist, die durch diesen Krieg über uns gekommen ist, – Gott hat Seine Friedensgedanken dabei und seine Liebesabsichten auch jetzt.

Was will denn Gott?

Gott will immer nur eins: daß wir glauben an den Namen Seines Sohnes, daß wir Seinem Sohne Jesus Christus unser Herz auftun und unser Leben weihen sollen. Das will Gott. Denn Er will, daß allen Menschen geholfen werde. Und es ist in keinem andern Heil, ist auch kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, darinnen wir sollen selig werden.

Wollen wir selig werden, dann gibt’s dazu nur den einen Weg: Jesus. Niemand kommt zum Vater, denn durch Ihn.

Und soll unserem Volke geholfen werden, ganz und für die Dauer geholfen werden, dann muß es umkehren zu Jesus, dem von so vielen verachteten und vergessenen Heiland.

O, Er hat unsre Liebe, unsern Dank wahrlich verdient. Was hat Er für uns getan und gelitten, um als unser Stellvertreter unsre Sünde zu tragen und uns ewiges Leben zu erwerben!

Der 9. September war ein Tag des Schreckens für das ostpreußische Dorf . . walde. ‚Die Russen hatten es besetzt, und der russische Rittmeister erklärte, alle Einwohner müßten erschossen werden, weil auf eine russische Patrouille geschossen worden sei. Sämtliche Bewohner des Ortes wurden zusammengetrieben und mußten auf dem Platze vor dem Landratsamt niederknien, um sich auf ihr Ende vorzubereiten.

Da kam der Pastor vom Kirchhof zurück, wo er eine Beerdigung gehalten hatte, und sah und hörte den Jammer der Leute. Gott gab ihm Gnade, mit dem russischen Rittmeister zu reden und ihm zu versichern, es sei bestimmt nicht geschossen worden. Der Russe erklärte: „Dann sollen nur die Männer erschossen werden, den Frauen schenke ich das Leben.“ Der Pastor bat weiter, und er erreichte es, daß der Rittmeister sagte: „Meinetwegen! Nur jeder sechste Mann soll erschossen werden.“ Immer aufs neue bat der Pastor, und endlich wurde auch dies Urteil aufgehoben. „Aber dann werden die Männer geknutet.“ Dabei blieb es.

Dann wurden die Jünglinge und Männer von 15 bis 38 Jahren ausgesucht, etwa 30 – 40 an der Zahl. Sie mußten den Rücken entblößen und sich niederlegen. Und dann tat die entsetzliche Nagaika ihre Arbeit. Schlag auf Schlag sauste nieder, 50 – 60 wohl. Bald spritzte das Blut. Aber wenn einer sich krümmte unter den entsetzlichen Schmerzen, dann kam ein schwerer Reiterstiefel und trat ihm in den Nacken.

Schwerverletzt gingen die Geknuteten aus der Mißhandlung hervor. Aber – ihren Angehörigen und Dorfgenossen war das Leben geschenkt – durch Blut erkauft!

O, wie werden die Leute von . . .walde bis in die fernsten Zeiten von diesem Schreckenstage erzählen, und dann werden sie gewiß auch erzählen von denen, die für sie geblutet haben, die um ihrer Rettung und Befreiung willen geknutet wurden.

Sieh, was diese Männer dort in Ostpreußen erlitten, womit sie sich lebenslange Dankbarkeit der anderen erworben haben, das hat Jesus für uns gelitten.

So ist Er um unserer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe lag auf Ihm, auf daß wir Frieden hätten, und durch Seine Wunden sind wir geheilt (Jes. 53, 5).

Unsere Missetat hat Er auf sich genommen! Alles, was wir gesündigt gegen Gott und gegen Menschen, in Gedanken und Worten und Werken, durch Begehung und Unterlassung, alles hat Er auf sich genommen und als das Lamm Gottes ans Kreuz von Golgatha getragen.

Für dich und für mich hat Er in Gethsemane gerungen und auf Golgatha gelitten. Für dich und für mich ist Er gegeißelt und gekreuzigt worden, damit wir Frieden hätten, damit wir glückliche und selige Menschen werden könnten. – Und – wo ist Sein Dank?

Hast du Ihm den Dank dafür noch nicht gebracht? Dann tue es heute! Dann sage ihm endlich:

„Ich danke Dir von Herzen, o Jesu liebster Freund,

für Deine Todesschmerzen, da Du’s so gut gemeint!“

Aber bringe Ihm nicht nur ein paar Worte als Dank für Seine Aufopferung und Liebe, bringe Ihm den Dank mit der Tat: gib Ihm dein Herz! Mach Jesum zum König über dein Leben!

O, das wäre ein Segen des Krieges für dich, wenn du Jesus als deinen König huldigtest, wenn Du Sein Eigentum würdest fürs Leben und fürs Sterben! Dann schenkte Er dir, was Er jedem schenkt, der sich Ihm anvertraut: Vergebung der Sünden, Frieden mit Gott, ein unzerbrechliches Glück, Kraft zu einem neuen Leben, Trost im Leid und die Gewißheit des ewigen, seligen Lebens.

Siehe, das wäre ein Segen des Krieges für dich, dafür würdest du in der Ewigkeit noch Gott danken!

Und das gäbe dann auch einen Segen des Krieges für unser Volk. Je mehr sich so zum HErrn bekehren, je mehr so Gott zu Seinem Ziele mit unserm Volke kommt, um so eher wird es Friede werden. Und das wird dann nicht ein Friede sein, in dem wir hochmütig auf unsere Kraft pochen und uns über unsere Feinde erheben, sondern das wird dann ein Friede sein, in dem wir Gott die Ehre geben, in dem wir nicht mehr uns leben und unserer Sünde, sondern dem, der für uns gestorben und auferstanden ist.

Gott schenke es uns in Seiner großen Gnade, nach Seiner unbeschreiblichen Liebe, daß wir Jesus huldigen als unserm Heiland und Meister, als unserm König und HErrn! Das wäre ein dauernder, ein ewiger

Segen des Krieges!

 

Johannes Lerle: Kommentar zu Modersohns Schrift Der Segen des Krieges, 2010

1. Damalige Kriegsbegeisterung

Als Modersohn vor ca. 100 Jahren vom Segen des Krieges schrieb, waren weite Teile Europas von einer Kriegsbegeisterung erfaßt, der auch die meisten Kirchgänger erlagen. Da fremde Sünden leichter zu erkennen sind als die eignen, sollten wir aus dem Versagen unserer Vorfahren und deren Prediger lernen. Jesus ermahnt uns: „Sehet zu, daß euch nicht jemand verführe“ (Matth. 24,4). Wozu brauchen wir überhaupt Prediger? Das Evangelium ändert sich doch nicht. Es wurden in den Jahrhunderten doch genug Predigten geschrieben, die wir lesen können. Weshalb muß man dann immer neue Predigten ausarbeiten? Wenn sich das Evangelium auch nicht wandelt, so ändert sich die Umwelt, in die die unveränderliche Botschaft hineinzusprechen ist. Auch ändert sich die Taktik des Teufels, die wir bei unserer Verkündigung im Blick haben müssen. Hatten die alttestamentlichen Propheten gegen den Baal gepredigt, so warnte Jesus vor dem „Sauerteig der Pharisäer“ (Matth. 16,6). Zur Zeit Modersohns hätten die Prediger die damalige Kriegsbegeisterung von der Botschaft Jesu aus beurteilen sollen. Doch das kann nur, wer fest im Gotteswort gegründet ist. Wo ist unser Standpunkt? Ist unser Standpunkt das unveränderliche Gotteswort, von dem aus wir den sich ständig verändernden Zeitgeist beurteilen; oder aber sind wir – wie Modersohn – im jeweiligen Zeitgeist gefangen und biegen dann das Gotteswort entsprechend zurecht? Zumindest sind unsere Mitmenschen im jeweiligen Zeitgeist gefangen, denen wir die rettende Botschaft Christi bringen sollen. Wie zur Zeit Elias niemand sowohl dem HERRN als auch dem Baal dienen konnte, wie man zur Zeit Jesu sich zwischen Christus uns seinen pharisäischen Widersachern entscheiden mußte, so konnte zur Zeit Modersohns ein Jesusjünger kein Kriegsfan sein. Damals war es Aufgabe der Prediger, das den Menschen mit aller Deutlichkeit bewußtzumachen. Der antichristliche Geist der Kriegsbegeisterung war damals ebenso allgegenwärtig wie der Baalskult zur Zeit Elias. Folglich war ein Prediger, dessen Verkündigung auf diese Verführung nicht einging, ein falscher Prediger. Modersohn wäre auch dann ein Irrlehrer gewesen, wenn er den Krieg nicht verherrlicht hätte. Denn ein „Hirte“, der es ignoriert, daß der Teufel die Schafe von Christus hinwegführt, ist kein Diener Christi, sondern ein Agent des Widersachers. Wären keine Entgleisungen Modersohns bekannt, dann wäre er durch sein Schweigen trotzdem ein Verführer. Man könnte seine Irrlehre lediglich nicht zitieren. Über solche „Hirten“ schreibt der Prophet Jesaja: „Alle ihre [Israels] Wächter sind blind, sie wissen alle nichts. Stumme Hunde sind sie, die nicht bellen können, sie liegen und jappen und schlafen gerne“ (Jes. 56,10).

Jesaja hat vom Sohn der Jungfrau gepredigt, der für unsere Sünden sterben und auferstehen wird. Er thematisierte aber auch den Schwachsinn der Götzendiener, die irgendwelche von Handwerkern gefertigte Figuren um Hilfe anflehten (Jes. 44,16-19). Hätte er nicht vor dem Götzendienst seiner Zeit gewarnt, dann wäre Jesaja trotz seiner Karfreitags- und Auferstehungspredigt ein falscher Prophet gewesen. Denn niemand kann sowohl an den Gekreuzigten glauben als auch einen Holzklotz anbeten.

2. Christenverfolgung als Normalzustand

Nach außerbiblischer Überlieferung wurde Jesaja zur Zeit des Königs Manasse lebendig zersägt. Das ist auch kein Wunder, da Manasse ein besonders schlimmer Götzendiener war. Jesajas Märtyrertod war keineswegs außergewöhnlich. So sagte Stephanus vor seiner Steinigung: „Welchen Propheten haben eure Väter nicht verfolgt? Und sie haben getötet, die zuvor verkündeten das Kommen des Gerechten, dessen Verräter und Mörder ihr nun geworden seid“ (Apg. 7,52). Nachdem der Apostel Paulus dem Timotheus seine Verfolgung geschildert hatte, schrieb er: „Und alle, die fromm leben wollen in Christus Jesus, müssen Verfolgung leiden“ (2. Tim. 3,12). Nicht erst Paulus, sondern schon Jesus sagte seinen Jüngern: „Wenn euch die Welt haßt, so wißt, daß sie mich vor euch gehaßt hat. Wäret ihr von der Welt, so hätte die Welt das Ihre lieb. Weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt erwählt habe, darum haßt euch die Welt. Gedenkt an das Wort, das ich euch gesagt habe: Der Knecht ist nicht größer als sein Herr. Haben sie mich verfolgt, so werden sie euch auch verfolgen“ (Joh. 15,18-20). „Alle“ müssen Verfolgung leiden. Warum wurde Modersohn nicht verfolgt? Warum haßte die Welt sowohl Jesus als auch seine Jünger, nicht aber Ernst Modersohn? Hatte sich der Apostel Paulus geirrt, als er schrieb, daß alle, die fromm leben wollen, Verfolgung leiden müssen? Hatte sich Jesus geirrt, als er sagte: „so werden sie euch auch verfolgen“? Zu seinen Brüdern, die nicht an ihn glaubten, sagte Jesus: „Die Welt kann euch nicht hassen. Mich aber haßt sie, denn ich bezeuge ihr, daß ihre Werke böse sind“ (Joh. 7,7).

Modersohn hatte der Welt nicht bezeugt, daß ihr Werk des Krieges böse ist. Deshalb haßte die Welt ihn auch nicht. In alttestamentlicher Zeit wurden die falschen Propheten auch nicht gesteinigt, sondern nur die richtigen Propheten. Denn die falschen Propheten hatten das gepredigt, was die Leute hören wollten. Doch der Apostel Paulus schreibt: „Wenn ich Menschen gefällig wäre, so wäre ich Christi Knecht nicht“ (Gal. 1,10). Damit soll nicht gesagt werden, daß die falschen Propheten nur Falsches gepredigt hätten. Sie haben auch Richtiges verkündigt, so wie Modersohn auch sehr viel Richtiges gepredigt hatte. Aber das Kriterium für ihre Verkündigung war nicht das Gotteswort, sondern das, was die Menschen hören wollten. Sie verhießen ihnen nur Gutes. Auch die richtigen Propheten, z. B. der bereits zitierte Prophet Jesaja, sprachen über eine zukünftige Heilszeit; aber nur dann, wenn Gott sie dazu beauftragt hatte. Denn sie waren Diener Gottes und nicht Knechte irgendwelcher Menschen. Anders die heutigen Pfaffen: Wenn die Leute das Richtige hören wollen, dann predigen sie z. B. Christus den Gekreuzigten. In dem Maße aber, in dem diese Botschaft als Ärgernis oder Torheit oder beides empfunden wird, tritt diese Verkündigung in den Hintergrund, bis sie von den Kanzeln nicht mehr zu vernehmen ist und lediglich in verstaubten Lehrdokumenten steht, aus denen sie dann bei Bedarf zitiert werden kann. Modersohn wurde also deshalb nicht verfolgt, weil er sich im Rahmen des damaligen Zeitgeistes bewegte und sich nicht der antichristlichen Kriegshysterie entgegenstellte.

3. Christenverfolgung unter Hitler

Der Zeitgeist änderte sich und mit ihm die Verkündigung Modersohns. Später war das ganze Volk dem Hitlerwahn verfallen. Zumindest sah es damals so aus. Denn wer diesem Wahn nicht verfallen war, war entweder im KZ oder wollte nicht hineinkommen. Folglich war damals in der Öffentlichkeit keine substantielle Kritik am Nationalsozialismus zu vernehmen. Dessen Antichristentum blieb aber nicht allen verborgen. So zeigte der katholische Journalist Fritz Gerlich (1883-1934) vor allem in der Wochenschrift Der gerade Weg schon vor 1933 den kriminellen Charakter der Hitlerreligion auf. Als Folge davon wurde er am 9.3.1933 verhaftet, war schwersten Mißhandlungen ausgesetzt und wurde am 30. Juni 1934 im KZ Dachau ermordet. Diese Bluttat hinderte Ernst Modersohn nicht daran, Hitler in der Zeitschrift Heilig dem Herrn von 1935 (S. 39) als „Gnadengeschenk Gottes an das deutsche Volk“ zu preisen.

Das, was Modersohn unterließ, das tat Pfarrer Paul Schneider. In seiner Verkündigung ging er auf das antichristliche Heidentum der Nationalsozialisten ein. Dafür kam er ab 1934 wiederholt in Schutzhaft und 1937 ins KZ Buchenwald, wo er am 18. Juli 1939 ermordet wurde. Doch dieser Märtyrertod eines Zeugen Jesu, der in Kirchenkreisen nicht unbekannt geblieben war, hinderte Ernst Modersohn nicht daran, im Jahre 1940 in seiner Selbstbiografie1 zu schreiben: „Zur rechten Zeit hat Gott uns in Adolf Hitler den Führer gegeben, der unser Volk aus seiner tiefen Erniedrigung herausgeführt hat“. Anstatt vor dem nationalsozialistischen Heidentum zu warnen, empfahl ein Pfarrer in der von Modersohn herausgegebenen Zeitschrift Heilig dem Herrn (Nr. 4, 1934) besonders der Jugend das in der christlichen Harfe-Buchhandlung in Bad Blankenburg erhältliche Buch Mein Kampf.

In Mein Kampf steht viel Richtiges. Darin lag und liegt noch heute dessen Kraft der Verführung. In Mein Kampf2 steht aber auch, daß der allmächtige Schöpfer innerhalb von Jahrmillionen (S. 70) durch ständigen Kampf ums Dasein die vielen Tierarten und den Menschen „geschaffen“ habe (S. 145, 314, 316f, 323, 494-496). Aus diesem Gedankengut Darwins leitete Hitler folgerichtig das „Recht des Stärkeren“ ab (S. 740). Dabei diente ihm der Umgang des Fuchses mit den Gänsen als Vorbild (S. 312). Die verbrecherischen Auswirkungen, die diese Lehre Darwins sowohl bei Hitler hervorbrachte als auch heute immer noch bei denen hervorbringt, die mit großer Scheinheiligkeit bei jeder Gelegenheit über Hitler schimpfen, kennen wir zur Genüge. Wer Mein Kampf anpreist, hat Christus verloren. Denn Jesus sprach über Adam und Eva wie über historische Personen (Matth. 19,4).

4. Spitze des Eisbergs

Angeblich predigen Modersohn und viele andere Christus den Gekreuzigten. Doch was man bei Modersohn an Falschem zitieren kann, ist lediglich die Spitze eines Eisberges. Doch was man nicht zitieren kann, weil er es nicht sagt, obwohl ein Diener Christi es hätte sagen müssen, das entspricht dem größten Teil des Eisbergs, der bekanntlich unter der Wasseroberfläche ist. Im Unterschied zu vielen heutigen Verkündigern predigte der Apostel Paulus wirklich Christus den Gekreuzigten (1. Kor. 1,23; 1. Kor. 2,2; Gal. 3,1). Christus lebte in ihm (Gal. 2,20). Deshalb eiferte er für den Erlöser, wenn seine Gemeindeglieder z. B. in Galatien vom Evangelium abirrten (Gal. 3,1; Gal. 1,6-10). Doch heute sind viele Prediger mit einem Kassettenrecorder vergleichbar, der ebenfalls Christus den Gekreuzigten verkündigt. Wird die Lehre Christi verfälscht, ein Kassettenrecorder thematisiert es nicht, ist er doch nur ein toter Gegenstand, der nichts weiter kann als die Kassette abzuspielen, die in ihn eingelegt wurde. Legt jemand eine andere Kassette ein, dann verkündet derselbe Kassettenrecorder ein anderes Evangelium. Auf diese Weise kann ein und derselbe Kassettenrecorder unterschiedliche Botschaften verkünden: Entweder die Botschaft Jesu oder die Botschaft der Kriegspropagandisten oder die Botschaft Hitlers oder ... Da ein Kassettenrecorder ein toter Gegenstand ist, kann er nicht aufzeigen, worin sich die einzelnen Botschaften voneinander unterscheiden. Die Gabe der Geisterunterscheidung (1. Kor: 12,10) hat er schon gar nicht.

5. Verheißungen für das Verlassen der Wege Gottes?

Es ist keineswegs alles falsch, was Modersohn geschrieben hat. Es steht doch in der Tat geschrieben: „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück, denn Du bist bei mir, Dein Stecken und Stab trösten mich“ (Ps. 23,4). Doch wem gelten diese und andere herrliche Verheißungen? Am Anfang des 23. Psalms heißt es: „Der HERR ist mein Hirte“. Es heißt nicht: „Der Kaiser ist mein Hirte“. Jesus selbst legt diesen Psalm aus, indem er sagt: „Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir“ (Joh. 10,27). Also, Jesu Schafe hören Jesu Stimme und nicht die Stimme des Kaisers, der sie zum Blutvergießen auffordert. Sie folgen Jesus nach, der ihnen vorangeht. Der Kaiser ging nicht persönlich voran, sondern ließ vom fernen Berlin aus seine Soldaten im Kugelhagel vorangehen. Er ließ sie vorangehen auf seinen sündigen Wegen des Blutvergießens und nicht auf den Wegen Jesu. Die Verheißungen des 23. Psalms gelten aber nur den Schafen Jesu, die gemeinsam mit ihrem Heiland Jesu Wege gehen, auch wenn sie durch ein finsteres Tal verlaufen.

Modersohn ist nicht der erste, der sich zu unrecht auf göttliche Verheißungen berief. Schon bei der Versuchung Jesu zitiert der Teufel Psalm 91,11f: „Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt“ (Matth. 4,6). Der Teufel verschweigt aber, daß diese Verheißung nur dem gilt, der „unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt“ (Ps. 91,1). Wer aber die Wege Gottes verläßt, für den gibt es keine Verheißungen, weder die Verheißung, daß er von den Engeln getragen wird, noch die Verheißung, daß er im finsteren Tal kein Unglück fürchten muß. Ernst Modersohn hatte es unterlassen, zwischen dem Schmalen Weg und dem Breiten Weg zu unterscheiden.

Auch sagt er nicht, ob er die Ehre vor Gott oder die Ehre vor Menschen meint, wenn er von der „Ehre“ einer Witwe schreibt. Ihre drei Söhne sind nämlich den „Heldentod“ gestorben, und die „Ehre“ dieser Witwe besteht darin, „daß sie fürs Vaterland ein Opfer hatte bringen dürfen“.

6. der Welt gleichstellen

An die Entgleisungen Modersohns muß deshalb erinnert werden, weil aus der Geschichte nichts gelernt wurde und sich Ähnliches ständig wiederholt. Wenn hier an die Sünden vergangener Generationen erinnert wird, so geschieht es aus dem gleichen Grund, aus dem die Bibel über die Sünden der damaligen Menschen berichtet. So schreibt der Apostel Paulus, daß die Sünden bei der Wüstenwanderung „uns zur Warnung“ aufgeschrieben worden sind (1. Kor. 10,11). Heute werden Modersohns mißratene Schriften nicht mehr gedruckt und aus den anderen Veröffentlichungen die anstößigen Stellen entfernt. Dabei wäre es für uns heute aber besonders wichtig, aus den Fehlern und Sünden früherer Generationen zu lernen. Doch das geschieht offenbar nicht, sondern die damaligen Entgleisungen haben ihre Entsprechungen in unserer Gegenwart.

Völlig naiv gab Modersohn die damalige politische Propaganda von dem angeblich ach so frommen Kaiser wieder. Daß der Kaiser ein Ehebrecher gewesen war, mag er vielleicht nicht gewußt haben. Aber er schrieb selbst, daß der Kaiser schon 25 Jahre an der Macht gewesen war. Das heißt, in seine Regierungszeit fällt der Völkermord an den Hereros in der deutschen Kolonie Südwestafrika im Jahre 1904 und die blutige Niederschlagung des Boxeraufstandes in China im Jahre 1900. Völkermorde waren damals in den Kolonien durchaus üblich. Denn besonders von den Afrikanern meinte man, sie seien mit dem Affen näher verwandt als die Nordeuropäer, so daß man nur in eingeschränktem Sinne Menschen töte. Diese Denkweise gibt es übrigens auch heute. Nur sind es heute nicht mehr die Afrikaner, die als Untermenschen gelten und entsprechend behandelt werden, sondern die Kinder im Mutterleib. Deren Mörder und die Hintermänner dieser Mörder fühlen sich beleidigt, wenn man über den Kindermord in gleicher Weise spricht wie über die Ermordung bereits geborener Menschen.3 Doch von Gottesmännern wie Modersohn sollte man erwarten, daß sie das Wertesystem des Gotteswortes verinnerlicht haben und nicht das Wertesystem ihrer vom Darwinismus beeinflußten Umwelt. Wie kann ein Gottesmann die angebliche Frömmigkeit eines Bluthundes rühmen? Es ist somit kein Wunder, daß Ernst Modersohn nicht verfolgt wurde, obwohl Jesus gesagt hatte: „Haben sie mich verfolgt, so werden sie euch auch verfolgen“ (Joh. 15,20).

Schon bald nach Hitlers Machtübernahme wurden nicht nur Kommunisten verfolgt, die in der Tat von Stalin ferngesteuert waren und die ihre kriminelle Energie vor allem nach 1945 in der DDR unter Beweis gestellt hatten, sondern auch die Zeugen Jehovas. Zu Beginn der Hitlerzeit konnten diese nicht einmal das „Verbrechen“ der Wehrdienstverweigerung begehen, da die allgemeine Wehrpflicht erst 1935 eingeführt worden war. Und daran, daß die Zeugen Jehovas die Gottheit Jesu leugneten und andere Irrlehren verbreiteten, dürften sich die Nazis nicht gestört haben. Verfolgt wurden sie offensichtlich deshalb, weil sie das Königreich Jehovas predigten und folglich die damals allumfassende Naziideologie ablehnten, bei der die Person Adolf Hitlers die Rolle eines Messias eingenommen hatte. Somit waren die Zeugen Jehovas ein Stachel im Fleisch derjenigen Kirchenchristen, die sich der Welt gleichgestellt hatten und deshalb nicht verfolgt wurden. Den Zeugen Jehovas geschah eindeutig Unrecht. Doch das Unrecht, das anderen geschah, hinderte Modersohn nicht daran, den Hitler als „Gnadengeschenk Gottes an das deutsche Volk“ zu preisen. Sich am Unrecht, das anderen geschieht, nicht zu stören, ist die Gesinnung der Gottlosen. Und diese Gesinnung ist auch heute bei vielen verbreitet, die sich selbst für Christen halten.

7. heutige kriminelle Vereinigungen

Wie damals Hitlers NSDAP eine kriminelle Vereinigung war, so gibt es auch heute politische Parteien, die ebenfalls kriminelle Vereinigungen sind. Solche kriminellen Vereinigungen sind z. B. CDU und CSU. Die Mehrheit der CSU Bundestagsabgeordneten (26 von 45) hatte am 29. Juni 1995 für ein Gesetz gestimmt, das die Bundesländer verpflichtet, „ein ausreichendes Angebot“ an Einrichtungen zur Vornahme von vorgeburtlichen Menschentötungen „sicher“zustellen. Das bedeutet: Die CSU hat dazu beigetragen, daß vorsätzliche Menschentötungen nicht nur geduldet, sondern darüber hinaus zur gesellschaftlichen Aufgabe erhoben worden sind. Bekanntlich hatte schon Hitler andere beauftragt, „ein ausreichendes Angebot“ an Einrichtungen für Menschentötungen „sicher“zustellen. CSU und CDU sind dadurch schlimmer als die anderen kriminellen Vereinigungen, weil sie zusätzlich zu ihren Bluttaten auch noch ein „C“ im Namen führen und durch das christliche Geschwafel ihrer Führungspersönlichkeiten den Namen Jesu Christi verhöhnen. Diese Gotteslästerer sind für einen Massenmord mit verantwortlich, der mit inzwischen über zehn Millionen Opfern sogar Hitlers Völkermord in den Schatten stellt.

Und die bayrische CSU, deren Abgeordnete im Bundestag mehrheitlich die vorsätzlichen Menschentötungen zur gesellschaftlichen Aufgabe erhoben haben, spielt sich nun in Bayern als Anwalt der Kinder im Mutterleib auf. So beschloß der Bayrische Landtag ein Gesetz, wonach die Tötungsspezialisten für ungeborene Kinder maximal nur 25 % ihrer Einnahmen durch Menschentötungen erzielen dürfen. Gegen diese angebliche Einschränkung der im Grundgesetz garantierten freien Berufswahl (Art. 12 GG) klagten ein Nürnberger und ein Münchener Berufskiller. Soll also das Grundrecht der freien Berufswahl nun auch für Berufskiller gelten? Ich verbreitete vor der Nürnberger Hinrichtungsstätte Flugblätter mit dem Titel: Kindermord im Klinikum-Nord. Dr. Freudemann tötet Kinder. Daraufhin ließ mir die damals CSU-regierte Stadt Nürnberg, die Trägerin des Klinikums ist, folgende Tatsachenfeststellung zivilrechtlich verbieten: „Kindermord im Klinikum-Nord“ und „Im Klinikum-Nord werden Babys getötet“. Strafrechtlich wurde ich wegen desselben Flugblattes und wegen anderer ähnlicher Flugblätter einmal zu 60 Tagessätzen und einmal zu 200 Tagessätzen Geldstrafe verurteilt. Da ich diese aber nicht bezahlte, war ich insgesamt 8 ½ Monate im Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft, die mich angeklagt hatte, ist im Unterschied zu den Richtern an die Weisungen aus dem Justizministerium des damals CSU-regierten Freistaates gebunden. Somit entlarvt mein Fall die Verlogenheit und Heuchelei der CSU. Die CSU bat damals besonders die Christen um deren Wählerstimmen, um angeblich wirksamer gegen den Kindermord im Mutterleib kämpfen zu können. Indem ich auf Flugblättern auf die Ungeheuerlichkeit hinwies, daß ein Berufskiller sich erdreistet, das Grundrecht der freien Berufswahl (Art. 12 GG) für seine formal rechtswidrigen Menschentötungen zu beanspruchen, nahm ich das angebliche politische Anliegen der CSU auf. Daraufhin zeigte die CSU ihr wahres Gesicht, indem sie für den Kindermord Partei ergriff und mich ins Gefängnis schickte.

8. Freundschaft mit Kriminellen

Wie zur Zeit Modersohns das Unrecht, das der Kaiser und später Hitler anderen zugefügt hatten, eine Lobpreisung dieser Übeltäter nicht unmöglich machte, so mangelt es auch heute vielen in den Landeskirchlichen Gemeinschaften an Distanz zu den Kindermördern. Vor Jahren sprach im Zentrum der Gemeinschaftsbewegung im bayrischen Puschendorf der damalige bayrische CSU-Innenminister Dr. Günther Beckstein. Vermutlich wird er dort nur Richtiges gesagt haben. Dadurch entstand der falsche Eindruck, dieser CSU-Repräsentant sei ein Bruder in Christus und die von ihm repräsentierte Kindermörderpartei, die Kindermordgegner verfolgt und ins Gefängnis werfen läßt, sei für Christen wählbar. Außerdem mußten die bayrischen Glieder der Gemeinschaftsbewegung doch gewußt haben, daß die bayrischen Schulen durch antichristliche „Bildungs“inhalte (Hinführung zum Okkultismus und zur Hurerei, Evolutionismus, Humanismus, Pluralismus, Geist der Demokratie) den biblischen Glauben an den König Jesus Christus bekämpfen. Diese offenkundige Tatsache ist in zwei Broschüren4 dokumentiert, die Hans-Jürgen Böhm schon Anfang der 90er Jahre verbreitet hatte. Doch wer Christus nicht kennt, der ist im jeweiligen Zeitgeist dermaßen verfangen, daß er nicht merkt, daß er Christus schon längst verloren hat. Nur so ist es zu erklären, daß denjenigen, die Beckstein eingeladen hatten, die Förderung des Kindermordes durch die CSU und das Antichristentum im bayrischen “Bildungs”wesen nicht bewußt waren. Nur so ist es zu erklären, daß Modersohn die Frömmigkeit des deutschen Kaisers pries und daß er Hitler beweihräucherte, obwohl der damalige Nazi-Ungeist allgegenwärtig war.

9. Hat sich Jesus geirrt?

Die Bibel berichtet über den ständigen Abfall des Volkes Israel, über den Kleinglauben und Verleugnung des Petrus und über viele weitere Sünden, um uns zu warnen. Doch die Sünden der neueren „Väter im Glauben“ werden verschwiegen, damit deren Heiligenschein nicht als unecht erkannt wird. Die Folge ist, daß nichts aus der Geschichte gelernt wird, daß man immer noch auf dem gleichen Breiten Weg wandelt wie seinerzeit schon Modersohn. Jesus sagt: „Haben sie mich verfolgt, so werden sie euch auch verfolgen“ (Joh. 15,20). Hat sich Jesus etwa geirrt? Denn Modersohn wurde weder in der Kaiserzeit verfolgt, noch während der Hitlerzeit, sieht man einmal von dem Predigtverbot ab, an das er sich gehorsam hielt. Die Gemeinschaftsbewegung in Puschendorf, die einen Repräsentanten einer antichristlichen kriminellen Vereinigung als Bruder in Christus begrüßte, wird ebenfalls nicht verfolgt. Dafür kommen aber auch in Bayern diejenigen ins Gefängnis, die sich der antichristlichen Indoktrination ihrer Kinder widersetzen.5 Wie in alttestamentlicher Zeit nur die richtigen Propheten gesteinigt worden waren, nicht aber die falschen Propheten, so werden auch heute nur die „Fundamentalisten“ einer christlichen „Parallelgesellschaft“ verfolgt, die es hartnäckig ablehnen, sich auf dem Breiten Weg der Mehrheitsgesellschaft zu „integrieren“.

10. Irakkriege

Modersohns Kriegsbegeisterung hat auch ihre Entsprechung in der Stellung vieler „Christen“ zu den beiden Golfkriegen Amerikas der Jahre 1991 und 2003 gegen den Irak. Nachdem der Irak Kuwait besetzt hatte, führte Amerika im Jahre 1991 unter Präsident George Bush dem Älteren Krieg gegen den Irak, angeblich zur Befreiung Kuwaits. Die Stimmung unter den Gläubigen war gegen diesen Krieg. Doch als sie merkten, daß der Krieg etwas mit dem Staat Israel (Irak war ein Feind Israels.) zu tun haben könnte, da wurde die Kriegsgegnerschaft deutlich schwächer. Die Zustimmung der Weltöffentlichkeit und der UNO zu diesem Krieg wurde maßgeblich durch die Lüge erreicht, daß irakische Truppen bei ihrem Einmarsch in Kuwait Frühgeburten aus ihren Brutkästen entfernt hätten, um die Brutkästen in den Irak schaffen zu können. Eine falsche angeblich kuwaitische Krankenschwester und ein falscher angeblich kuwaitischer Kinderarzt wurden der Weltöffentlichkeit als „Zeugen“ präsentiert. Die Kampfhandlungen endeten durch einen Waffenstillstand, bei dem der unterlegene Irak verschiedene Bedingungen zu erfüllen hatte.

Zur nächsten Runde in diesem Krieg kam es im Jahre 2003, nachdem George Bush der Jüngere Präsident in Amerika geworden war. Daß der nun vorgeschobene Kriegsgrund, und zwar die Verletzungen des Waffenstillstandsabkommens aus dem vorhergegangenen Krieg wie angebliche Massenvernichtungswaffen und der angebliche Bau an einer Atombombe ebenfalls erlogen waren, kam erst später heraus. Folglich konnten es die Gläubigen nicht wissen, hätten es sich aber denken sollen, da die Amerikaner in ihrer schmutzigen Geschichte schon immer Kriegsgründe herbeigelogen hatten. Aber beim zweiten Golfkrieg war bekannt, daß die Story mit den Brutkästen während des ersten Golfkrieges erlogen war, daß der erste Golfkrieg somit zum größten Teil mit einer Lüge gerechtfertigt worden war. Das Verbot irakischer Massenvernichtungswaffen war die Folge eines verlorenen Krieges, der wiederum auf einer Lüge beruhte. Denn andere Staaten wie z. B. Amerika und Israel dürfen selbstverständlich Massenvernichtungswaffen und Atombomben haben, nur der Irak nicht. Viele “Gläubige“ vor allem in Amerika und in geringerem Ausmaß auch in Deutschland standen dem Golfkrieg von 2003 positiv gegenüber. Die Iraker sollten von einem besonders schlimmen Diktator befreit werden, was dem Land Demokratie bringen und auch die Türen für die christliche Mission öffnen würde.

Die Sicherheit Israels hatte die beiden Golfkriege erfordert. Und für den ersten Golfkrieg war nun einmal die Lüge von den Brutkästen erforderlich. Es ist nicht bekannt, daß die amerikanischen Lügenbarone jemals zur Rechenschaft gezogen worden sind, auch unter dem angeblich besonders frommen Präsidenten George Bush dem Jüngeren nicht. Als Gouverneur von Texas hatte Bush besonders viele Todesurteile unterschrieben. Viele Mörder hatten nur einen einzelnen Menschen getötet. Doch die Lügner, die mit ihrer Lüge einen Krieg mit vielen Toten ausgelöst hatten, gingen vermutlich straffrei aus. Das kommt einer nachträglichen Rechtfertigung der Kriegslügen gleich. Bush konnte besonders fromm reden, und viele hielten ihn für ihren „Bruder in Christus“. Ein „Bruder in Christus“, der die Lügentradition seiner Vorgänger fortführt? Christus sagte zu den Juden, die nicht an ihn glaubten: „Ihr habt den Teufel zum Vater, und nach eures Vaters Gelüste wollt ihr tun. Der ist ein Mörder von Anfang an und steht nicht in der Wahrheit; denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er Lügen redet, so spricht er aus dem Eigenen; denn er ist ein Lügner und der Vater der Lüge“ (Joh. 8,44).

Die Lüge mit den Brutkästen war nötig, um den Golfkrieg von 1991 beginnen zu können. Und der Golfkrieg schien für die Sicherheit Israels notwendig. Und die Gründung des Staates Israel im Jahre 1948 wurde als Werk Gottes betrachtet. Doch dieses schien in Gefahr. Deshalb erschien es als notwendig, die Wege des Teufels, der ein Lügner und ein Vater der Lüge ist, zu gehen, um das vermeintliche Werk Gottes zu schützen. Genau darauf läuft die Rechtfertigung des zweiten Golfkrieges von 2003 hinaus, der eine Fortsetzung des auf Lügen gegründeten ersten Golfkrieges von 1991 ist. Die Rechtfertigung der Golfkriege zeigt, daß viele Prediger ihre eigene Verkündigung, daß die Staatsgründung Israels ein Werk Gottes sei, selbst nicht glauben. Zumindest glauben sie nicht, daß Gott so mächtig ist, daß er sein vermeintliches Werk selbst schützen kann, ohne daß seine Anhänger mit dem Teufel paktieren müßten. Wozu brauchen wir solche Pfaffen, die ihr eigenes Geschwafel selbst nicht glauben und denen Jesus so völlig unbekannt ist? Diese gibt es nicht nur in Amerika, sondern auch in Deutschland. So schrieb Pastor Gerhard Heinzmann, damals Vorsitzender und heute Ehrenvorsitzender der politischen Partei Bibeltreuer Christen (PBC) in der Parteizeitschrift Salz und Licht (Nr. 1, 2003, S.2-3) in bezug auf die geforderte deutsche Beteiligung bei dem damals noch bevorstehenden Irakkrieg: „Mit der wahltaktisch begründeten Aufkündigung der westlichen Solidargemeinschaft hat unser Bundeskanzler [Gerhard Schröder, SPD] unserem Land einen schlechten Dienst erwiesen“.

Inzwischen ist es unumstritten, daß eine deutsche Kriegsbeteiligung ebenso ein Fehler gewesen wäre, wie Deutschlands Beteiligung am Ersten Weltkrieg ein Fehler war. Aber um politische Bewertungen soll es hier nicht gehen, sondern um geistliche Beurteilung. Entspricht die Kriegshetze dem Geist Christi? Wo finden wir ein Beispiel in der Bibel, daß Christus, dem wir nachfolgen sollen, den Krieg verherrlicht hätte? Dieser Art sollten unsere Fragen sein. Im Rückblick können wir die Sünden früherer Generationen erkennen. Das sollte uns dazu veranlassen, Gott demütig um seine Gabe der Geisterunterscheidung (1. Kor. 12,10) zu bitten, damit wir nicht in ähnlicher Weise den heutigen Verführungen des Teufels erliegen. 

11. Die Gabe der Geisterunterscheidung

Anstatt die Geister zu unterscheiden wird heute, falls überhaupt, lediglich zwischen richtiger und falscher Lehre unterschieden. Die „Lutheraner“ und in geringerem Ausmaß auch andere Konfessionen haben Bekenntnisschriften. In ihnen sind die einzelnen Glaubensdogmen wie in einem Gesetzbuch niedergeschrieben. Die Bekenntnisschriften dienen als Kriterium, um irgendeine Verkündigung in die Kategorien „reine Lehre“ oder „Irrlehre“ einzuordnen. Mit dem Paragraphenwerk der Lutherischen Bekenntnisschriften ist keine Irrlehre in Modersons Schrift Der Segen des Krieges greifbar. Aber entspricht diese Schrift dadurch wirklich dem Geist Christi? Der Unterscheidung von „reiner Lehre“ und „Irrlehre“ liegt eine Denkweise zugrunde, bei der der Glauben mit einem Sack Kartoffeln vergleichbar ist. Dieser Sack enthält gute Kartoffeln und verfaulte Kartoffeln. Die verfaulten kann man aussortieren und die guten essen. Den Darwinismus in Mein Kampf müssen wir natürlich ablehnen. Andererseits stehe in diesem in der christlichen Harfe-Buchhandlung in Bad Blankenburg erhältlichem Buch viel Richtiges. Doch christlicher Glaube ist keine Anhäufung toter Paragraphen, sondern geistliches Leben und dadurch mit einem Organismus vergleichbar. Deshalb kann eine einzelne Irrlehre auch nicht wie eine verfaulte Kartoffel aussortiert werden, ohne daß das Auswirkungen auf andere Glaubenslehren hätte. Der Unterschied von reiner Lehre und Irrlehre ist vielmehr mit dem Unterschied von Mann und Frau vergleichbar. Die Geschlechter unterscheiden sich lediglich durch einen ihrer 46 Chromosomen. Doch dieser minimale Unterschied wirkt sich in jedem Körperteil aus, so daß ein Gerichtsmediziner auch ohne Genanalyse feststellen kann, ob ein Leichenteil von einem Mann oder von einer Frau stammt.

Was war eigentlich die Irrlehre der Pharisäer? Selbst Jesus Christus bescheinigt ihnen „reine Lehre“, wenn er sagt: „Alles nun, was sie euch sagen, das tut und haltet, aber nach ihren Werken sollt ihr nicht handeln“ (Matth. 23,3). Woher kommt denn dann deren großer Haß gegen ihn? Jesus hatte doch nur Gutes getan. Doch genau darin und darin, daß seine Wundertaten vor vielen Zeugen geschahen, gründete sich deren Feindschaft. Denn die Pharisäer suchten ihre eigene Ehre. Sie suchten nicht etwa die Ehre vor Gott, sondern ihre Ehre vor den Menschen (Joh. 5,41.44; 7,18; 8,50.54; 12,43). Zumindest beim Jubel des Volkes beim Einzug auf einem Esel in Jerusalem, der durch die Auferweckung des Lazarus mit herbeigeführt worden war, erkannten sie die „Gefahr“: „Alle Welt läuft ihm nach“ (Joh. 12,19). Weil viele Juden wegen des auferweckten Lazarus an Jesus glaubten, beschlossen die Hohenpriester, auch Lazarus zu töten (Joh. 12,10). Und nach der Auferstehung verleumdeten die Hohenpriester zusammen mit den Ältesten die Jünger Jesu, sie hätten Jesu Leib gestohlen (Matth. 28,13). Durch diese Gaunereien wollten sie offensichtlich ihre „Ehre“ retten, ihre „Ehre“ vor den Menschen. Darin zeigt sich die wahre Gesinnung der Obersten der Juden. Andererseits war es ihre Lehre, daß die Ehre Gottes zu suchen sei. Denn in diesem Sinne ermahnten sie einen Blindgeborenen, der von Jesus geheilt worden war (Joh. 9,24). Es wäre daher durchaus realistisch gewesen, daß Jesus und die Pharisäer ein gemeinsames Lehrdokument unterschrieben hätten, demzufolge nicht die eigene Ehre, sondern die Ehre Gottes zu suchen sei. Doch was wäre solch eine Lehrübereinkunft wert gewesen? Sie hätte lediglich die Tatsache verdeckt, daß Jesus und die Pharisäer einen völlig anderen Geist hatten.

Es kann jemand durchaus „Richtiges“ lehren, und trotzdem einen anderen Geist haben. Es steht in der Tat geschrieben: „Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt“ (Matth. 4,6 und Ps. 91,11f). Paulus und Silas waren in der Tat Knechte des allerhöchsten Gottes, die den Weg des Heils verkündigen, wie ein Wahrsagegeist verkündete (Apg. 16,17). Christus wird in Bethlehem geboren werden, wie die Hohenpriester und Schriftgelehrten dem Kindermörder Herodes mitteilten (Matth. 2,4-6). Auch lehrte Jesus Christus in der Tat den Weg Gottes recht, wie die Jünger der Pharisäer bekannten (Matth. 22,16).

Auch Modersohn lehrte recht, wenn er darauf hinweist, daß Christus für unsere Sünden gekreuzigt worden ist. Doch diese Botschaft darf nicht nur an irgendwelche Lobpreisungen des „Segens“, den ein Krieg angeblich mit sich gebracht hätte, angehängt werden, sondern der Blick auf den Gekreuzigten prägt das gesamte Denken der Jesusjünger. So schreibt der Apostel Paulus, daß wir gefangen nehmen alles Denken in den Gehorsam gegen Christus (2. Kor. 10,5). Ganz gleich, worüber Jesusjünger sprechen, ob über Wissenschaft, über Kultur, über Philosophie, über Geschichte, über Politik oder über einen gegenwärtigen Krieg, sie tun es im Geiste Christi. Das ist der Geist der Wahrheit, „den die Welt nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht“ (Joh. 14,17). Weil wir nicht den Geist der Welt haben, deshalb können wir auch keine Weltbürger sein, sondern nur Fremdlinge in der Welt. „So laßt uns nun zu ihm [Jesus] hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir“ (Hebr. 13,13f).

Dagegen sind die einzelnen Staaten in der Welt Mörderbanden, die sich miteinander gegen andere Mörderbanden verbünden wie die verschiednen Mafiaclans in Italien oder die Verbrecherbanden in Chicago. Die europäischen Staaten England, Frankreich, Rußland, Österreich und Deutschland haben sich große Gebiete der Welt zusammengeraubt. Dabei war Deutschland zu kurz gekommen, weil es seine Raubzüge erst dann begonnen hatte, als die Welt schon weitgehend aufgeteilt war. Wirtschaftlich erstarkt beanspruchte es nun auch einen „Platz an der Sonne“. Die bisherige Aufteilung der Welt sollte korrigiert werden. Das war das Ziel des Krieges vom August 1914, der noch vor Weihnachten 1914 siegreich beendet sein sollte. Das deutsche Volk stand zusammen wie eine Gangsterbande in Chicago, die gegenüber anderen Gangsterbanden einen ihr “zustehenden“ Anteil an Einflußsphären erkämpft. Vieles, was der Krieg im Bewußtsein der Menschen veränderte, sah damals wie das Wirken des Geistes Gottes aus. Anstatt den Betrug des Teufels zu entlarven, wirkte Modersohn als Sprachrohr des Widersachers. Dieser Sieg Satans über Pastor Modersohn zeigt, wie notwendig es ist, Gott ständig in den Ohren zu liegen, daß er uns die Gabe der Geisterunterscheidung (1. Kor. 12,10) gebe.

 

1Er führet mich auf rechter Straße – Lebenserinnerungen, 2. Aufl., 1940, S. 387.

2 Die Seitenzahlen beziehen sich auf die 167.-169. Auflage von 1935.

3So brachte mir folgende Formulierung in einem Flugblatt aufgrund eines Strafantrages Dr. Theo Waigels (CSU) als Zugabe zu einer anderen Verurteilung zusätzliche 15 Tage Gefängnis ein: „Indem auch Dr. Theo Waigel andere beauftragt hat, Tötungskapazitäten bereitzustellen, wandelt er in den Fußtapfen des demokratisch gewählten Reichskanzlers Adolf Hitler, der ebenfalls andere beauftragte, Tötungskapazitäten bereitzustellen. Wie der nationalsozialistische Staat den ‚Achtungsanspruch’ seiner Schergen schützte, so schützen auch heute Richter den Ruf von solchen Kriminellen, die die Rückendeckung  z. B. Dr. Waigels genießen“  (Johannes Lerle, Nürnberger Ketzerprozesse gegen Kindermordgegner. Eine Kette von Rechtsbeugungen, Erlangen 2003, S. 54f, S.61 und S. 71f, auch veröffentlicht im Internet unter  www.kindermordgegner.de).

4Der staatliche, demokratisch-pluralistische Bildungszwang. Christenverfolgung in Deutschland. Teil I: Die Bildungsziele des Freistaates Bayern, Teil II: Schulbuch- und Lehrplananalyse, Herausgeber und Bezugsadresse: Hans-Jürgen Böhm, Postfach 53, D-91284 Neuhaus a. d. Pegn.

5S. dazu folgende Flugblätter und Broschüren, die auch auf der Internetseite www.johannes-lerle.net abrufbar sind: Kinder als Staatseigentum; Völkermord am Gottesvolk, unterstützt durch die Karlsruher Verbrecherbande; Justiz in Hitlers Fußtapfen; “Die Sünde ist der Leute Verderben” (Spr. 14, 34). Warum Deutschland pleite geht; Schafspelzträger Beckstein; Grünes Licht für den Völkermord.